NEUOSTHEIM: Kaupp & Franck-Architekturbüro stellt Pläne für das neue ökumenische Zentrum vor
Ambitioniertes Pilotprojekt
Mannheimer Morgen 31.12.2014, Redaktionsmitglied Anke Philipp


Erste Pläne für das neue ökumenische Zentrum in Neuostheim: Im November wurden sie dem Gestaltungsbeirat vorgestellt.

Es ist ein ambitioniertes Pilotprojekt in Mannheim, für das nach langen Überlegungen in den letzten Jahren jetzt erst einmal nur der äußere Rahmen steht: Das ökumenische Zentrum in Neuostheim. Dort, auf dem Gelände der Gemeinde St. Pius, bauen katholische und evangelische Kirche ab 2015 am gemeinsamen Haus. Erste Pläne stellte Christian Franck vom Mannheimer Architekturbüro Kaupp & Franck im November im städtischen Gestaltungsbeirat vor.

Noch ist demnach jede Menge unklar, müssen die Vorstellungen beider Gemeinden im extra eingerichteten ökumenisch besetzten Beirat unter einen Hut gebracht werden. "Es ist ein absolut neues Feld und ein langer Prozess der Abstimmung", sagte Franck.
Fest steht aber schon jetzt: Der bestehende Kindergarten wird im Frühjahr abgerissen, die Kirche saniert, eine Sakristei eventuell später neu angebaut. Auf dem frei werdenden Gelände entsteht dann ab Sommer das neue Gebäude mit einem viergruppigen Kindergarten sowie einem evangelischen Pfarrhaus plus Büro nebst Verwaltung. Der katholische Pfarrer wird künftig nicht mehr dort wohnen.
Das Zentrum erstreckt sich entlang der Böcklinstraße, ist zur Straße hin zweigeschossig, zum Garten hin dreigeschossig konzipiert. Im Komplex befinden sich unter anderem eine Küche, ein Saal, Kita-Funktions- und Schlafräume sowie ein großer Mehrzweckbereich. Die gegliederte und eingeschnittene Fassade mit Treppenaufgang lehnt sich an den geklinkerten Kirchenbau mit Turm an.
Lob vom Gestaltungsbeirat
Es sei wichtig, ein städtebauliches Ensemble in Bezug auf die Kirche zu schaffen, lobt der Gestaltungsbeirat den Entwurf, regte aber an, die Materialität der Fassade und deren Gestaltung auf der Gartenseite zu überdenken. Das neue Zentrum sei ein wichtiges Gebäude. Das sollte in der Wertigkeit der Fassade zum Ausdruck kommen, so die Experten, die begrüßten, dass zu so einem frühen Zeitpunkt die Pläne öffentlich vorgestellt wurden.
© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 31.12.2014


STADTGESCHICHTE: Verein Stadtbild will denkmalgeschütztes Bahnwärterhäuschen retten / Historie mit Stallgeruch
Wo Weichensteller mit Hühnern hausten
Mannheimer Morgen 27.12.2014, Redaktionsmitglied Susanne Räuchle


Kulturdenkmal aus alten Eisenbahner-Zeiten: Ein Bahnwärterhäuschen aus dem 19. Jahrhundert fristet in Neuostheim ein Dasein im Verborgenen.

Wild zugewuchert, umrankt von Geschichte steht es als ein Relikt der Dampflokomotiven-Zeit im Schatten der klaren Büroarchitektur von "Eastsite" in Neuostheim: Im Bahnwärterhäuschen an der Hermsheimer Straße scheint die Zeit aufs Abstellgleis geschoben.

Vor 1882 wurde es für den "Bahnübergang Nr. 3" der östlichen Riedbahn erbaut, aber längst geht der Zug in eine andere Richtung ab, in 75 Meter Entfernung verläuft heute die Strecke. Doch das Häuschen steht, wenn auch verwahrlost, unversehrt als ein Kulturdenkmal. Und obwohl er stark heruntergekommen ist, scheint dieses frühe Beispiel der Mannheimer Eisenbahnhistorie noch bewohnt, zumindest zeitweise.
Der Verein Stadtbild will nun die kleine Behausung, die unter Denkmalschutz steht, retten. Als letztes steinernes Zeugnis des alten Neuostheim. Das Haus könnte als Kulturdenkmal einen reizvollen Kontrast zur Eastsite bilden. Volker Keller, Lokalhistoriker und im Vorstand des Vereins Stadtbild aktiv, hat die Vergangenheitslinien genau verfolgt: Die von Norden aus Hessen kommende östliche Riedbahn, teilt sich südlich bei Neuhermsheim in eine zum Hauptbahnhof (1876 erbaut) und eine zum Rangierbahnhof und nach Heidelberg führende Line. Die östliche Riedbahn führt stadteinwärts über die Riedbahnbrücke, die in den Jahren 1879/80 entstand.
Das Bahnwärterhaus pflanzte sich auf Mannheimer Gemarkung, dicht an der damaligen Grenze zu Feudenheim wo erst ab 1913 die "Villenkolonie" entstand. Unmittelbar neben dem Bahnkörper hält das Bauwerk die Stellung und überbrückt verschiedene Ebenen des Geländes. Das tieferliegende Gartengeschoss besteht aus Sandsteinmauerwerk, im Inneren mit Tonnengewölbe.
Dazu kommen Stallungen und ein Garten, man kann sich also vorstellen, dass der Weichensteller sich ein Schwein und Hühner hielt - und so ein sattes Auskommen hatte.
In den Adressbüchern der frühen 1890er Jahren ist unter Bahnübergang Nr. 3, der Bahnwart Adam Kumpf verzeichnet. Eigentümerin des Gebäudes war die Königlich-Preußische und Großherzoglich-Hessische Staatseisenbahn.
Wechselvolle Geschichte
Seit 1900 schaltete und waltete dort Johann Orth, dann die "Weichensteller" Johannes Pfannebecker und W. Hartmann. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt das Bahnwärterhaus der Reichseisenbahn die Adresse Seckenheimer Landstraße 2. Ab 1925 führen J. Bauer und Johannes Pfannebecker als "Ober-Stellwerkmeister" die Regie. In dieser Zeit entstand auch die neue nördliche Trasse. So gab übergangsweise zwei Querungen, erst in den 1930er Jahren wurde die südliche stillgelegt, ein Wärter war da nicht mehr gebraucht, das Haus ging in Ruhestand, wurde aber weiter bewohnt: 1955 halten "Ober-Stellwerkmeister i. R.", der Rentner Martin Häfner und die Hausangestellte Margarete Werner dort die Stellung.
Bis vor kurzem scheint sich noch ein Mieter in der Hermsheimer Straße 2 einquartiert zu haben. Ob das Haus noch eine Zukunft hat, ist indes fraglich, die Deutsche Bahn Immobilien hat diesen historischen Sitz am Gleis schon vor Jahren an privat verkauft. Es gebe genügend Interessenten, die auf die alte Dampflokomotivenzeit abfahren. Erst neulich habe man eine Brücke aus der Vorkriegszeit an einen Architekten verkauft.
© Mannheimer Morgen, Samstag, 27.12.2014


NEUOSTHEIM: CDU lässt Weihnachtsbaum leuchten
Zum Gedenken an Heide-Christine Loy