Verkehr: Wie in Offenburg könnte bald auch in Mannheim ein „Projektbeirat“ Lösungen suchen / Bundestag muss entscheiden

Gemeinsam gegen Bahnlärm

Von dem Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Timo Schmidhuber

 
In Mannheim verläuft die Güterzugtrasse durch die Stadt (das Bild entstand in Neuhermsheim). In Zukunft ist pro Nacht mit bis zu 200 Zügen zu rechnen. © Rittelmann

Alle setzen sich an einen Tisch und suchen nach Lösungen, wie man Mannheim und die Region vom zunehmenden Güterzug-Lärm entlasten kann. Ein solcher "Projektbeirat", der in Offenburg den Bau eines Tunnels erreicht hat, könnte jetzt auch für die Metropolregion möglich werden. Darauf weisen unabhängig voneinander Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht (CDU) und Claus Schmiedel hin. Der SPD-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag war gestern auf Einladung des Landtagskandidaten Boris Weirauch in der Stadt.

Die Ausgangslage wirkt für Mannheim bedrohlich: Die europäische Güterzugtrasse von Rotterdam nach Genua führt über die westliche und östliche Riedbahn direkt durch die Stadt (siehe Grafik). Mit der Öffnung des Gotthard-Basistunnels in der Schweiz im nächsten Jahr werden auf der Strecke deutlich mehr Güterzüge erwartet - die Rede ist von bis zu 200 pro Nacht. In den betroffenen Stadtteilen von der Blumenau bis zur Rheinau gibt es schon mehrere Bürgerinitiativen gegen den Bahnlärm. Mit Mitstreitern aus der Region haben sie sich bereits zu einem Dachverband zusammengeschlossen. Sie fordern, so ihr Vertreter Gunther Mair, den Bau einer neuen Güterzug-Umfahrung in der Region, teilweise mit Tunnellösung.

Schmiedel verspricht Antrag

Im Offenburger Projektbeirat saßen neben lokaler Politik und Bürgerinitiativen auch Vertreter von Bund, Land und Bahn. Gemeinsam ging man die Bahntrasse Kilometer für Kilometer durch und schaute, wo ein Tunnel oder eine andere Trassenführung nötig ist. Bund und Land hatten zuvor zugesagt, den Trassenbau finanziell zu unterstützen.

Was nun die Hoffnung auf einen Projektbeirat auch in Mannheim nährt, ist ein gemeinsamer Antrag der Bundestagsfraktionen von CDU und SPD. Darin sprechen sie sich dafür aus, die Einrichtung von Projektbeiräten zu unterstützen und deren Vorschläge "besonders zu berücksichtigen". Darüber hinaus will man, so die Vorlage, im Einzelfall auch einen Lärmschutz möglich machen, der "über das gesetzliche Maß" hinausgehe.

Der Antrag stand eigentlich auf der Tagesordnung zur Parlamentssitzung am Donnerstag, wurde aber kurzfristig abgesetzt. Die CDU-Bundestagsfraktion habe noch Beratungsbedarf gehabt, erklärte Landespolitiker Schmiedel gestern. Offenbar hätten andere Bundesländer die Sorge, Baden-Württemberg könne bevorzugt werden. Er ärgert sich über die Absetzung, der Antrag sei zwischen den Fraktionen "ausverhandelt" gewesen. Schmiedel hofft nun, dass der Beschluss im Januar folgt. Dann werde seine Fraktion im Landtag einen Antrag stellen, dass das Land auch in Mannheim bis zur Hälfte der Lärmschutzkosten übernehme, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen.

Auch Christian Specht, zugleich Vorsitzender des Planungsausschusses des Verbands Region Rhein-Neckar, hofft, dass der Antrag im Bundestag durchgeht. "Das wäre eine komplett neue Herangehensweise an das Thema Lärmschutz", sagt er. Specht wünscht sich auch für die Region einen Projektbeirat und hat nach eigenen Angaben bereits positive Signale von der Bahn bekommen. Aus Sicht der Stadt Mannheim, so betont er, seien bei einer Neuregelung des Güterverkehrs drei Dinge wichtig: "Der ICE-Knoten muss erhalten bleiben, der S-Bahnverkehr in der Region muss ausgebaut werden, und der Rangierbahnhof muss anfahrbar bleiben."

In Berlin gab es gestern ebenfalls ein deutliches Signal gegen Bahnlärm. Dabei geht es um Güterzüge, die noch nicht mit lärmarmen Bremsen umgerüstet sind. Der Bundesrat forderte die Regierung auf, ihre Durchfahrt ab 2020 bundesweit zu verbieten.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 19.12.2015


Bundeswehr:
Heeresmusikkorps gibt abwechslungsreiches Benefizkonzert im Bildungszentrum in Neuostheim

Musikalische Virtuosen in Uniform

Von dem Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Peter W. Ragge

Erste Dirigentin der Bundeswehr: Alexandra Schütz-Knospe. © BiZBw

Sie spendeten stehend begeisterten Applaus, nachdem sie alle im Chor "Macht hoch die Tür" angestimmt hatten: Begeistert reagierten die Zuhörer auf das traditionelle Adventskonzert im Bildungszentrum der Bundeswehr - und spendabel: Für die Aktion "Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien" des Bundeswehrsozialwerks waren danach 3200,57 Euro in den Spendenkörbchen, einschließlich 500 Euro von der Heinrich-Vetter-Stiftung.

Präsident Christoph Reifferscheid will das Konzert als Geschenk, als Dank an Partner und - zahlreich anwesende - Neuostheimer Nachbarn verstanden wissen, eine Gelegenheit zum weihnachtlichen Innehalten bieten. Aber er lenkte auch den Blick auf jene Soldaten, die über die Feiertage im Einsatz sind. "Wir wünschen den Kameraden gesunde Heimkehr zu ihren Familien", so der Präsident.

Sehnsucht nach Frieden

"Die tief angelegte Sehnsucht nach Frieden in uns" - dafür steht Weihnachten nach den Worten von Pfarrerin Martina Egenlauf-Linner (Thomasgemeinde. Sie wandte sich in ihrem Grußwort gegen jeglichen religiösen Fundamentalismus. Es sei "eine humanitäre Aufgabe, dem Missbrauch der Religion Einhalt zu gebieten", so die Pfarrerin. Zugleich sei es aber "die Herausforderung unserer Zeit, Flüchtlingen einen würdigen Platz in der Gesellschaft zu bieten" - denn auch die Eltern von Jesus seien einst Flüchtlinge gewesen.

Dann glaubte man fast, eine Orgel zu hören: Mit Präludium und Fuge in c-Moll von Bach gelang es den Holz- und Blechbläsern des Heeresmusikkorps Koblenz fast, dieses riesige Instrument zu imitieren. Doch nicht nur für dieses Stück galt: Oberstleutnant Alexandra Schütz-Knospe, erste und bisher einzige Chefdirigentin der Bundeswehr, schaffte es, die Zuhörer sowohl mit ungewöhnlicher Programmauswahl als auch besonderer Instrumentierung zu überraschen. Immer wieder bewiesen die Soldaten, dass sie versierte musikalische Virtuosen in Uniform sind, ob bei Opernarien von Puccini oder einem weihnachtlichen Medley, ob bei einem Tuba-Quintett oder der Filmmusik aus "Schindlers Liste". Den Solopart der Violine übernahm dabei Hauptfeldwebel Michael Eder mit der Klarinette. Und bei der Filmmusik aus "Drei Haselnüsse für Aschenputtel" wippten und summten manche Zuhörer mit.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 18.12.2015


Verkehr bleibt Knackpunkt

Von Anke Philipp über die Entwicklung im Eastsite

Philipp

Anke Philipp © Berno Nix

Es ist noch gar nicht lange her, da feierte Peter Gaul, geschäftsführender Gesellschafter des Bauträgers B.A.U., Richtfest seines neuesten Bürohauses im Büropark Eastsite in Neuostheim. Das Gebäude ist Teil des "Büroparks Eastsite", der - nach B.A.U.-Planung - einmal mindestens 13 Bürohäuser umfassen wird. Ebenfalls nicht lange her ist, da forderte der örtliche Stadtteilverein Neuostheim klipp und klar: "Eastsite darf kein Satellit werden".

Aufenthaltsqualität gefragt

Das sieht man auch im Rathaus so und versucht nun, mit einem Bebauungsplan die Entwicklung auf dem ehemaligen Autohof-Gelände am Harrlachweg zu ordnen und zu lenken - mit dem Ziel, einer gesamtheitlichen Gestaltung aus einem Guss. Will heißen: Aus dem Büropark soll ein gescheites Viertel werden mit guter Architektur (was der Fall ist) und Aufenthaltsqualität (woran es mangelt). Im vorliegenden Bebauungsplan wird dies thematisiert: Es geht dabei auch um die städtebauliche Anbindung an Neuostheim und erforderliche Nutzungserweiterungen - zum Beispiel von Kindergärten. So weit, so plausibel. Doch das reicht nicht aus.

Kritik am mangelnden Grün und am Verkehr vor den Bürogebäuden hatte vor Jahren bereits der Gestaltungsbeirat geäußert. Und nun? Laut Verkehrsprognose kommen bei mindestens 3000 Arbeitsplätzen (über 4000 könnten es einmal werden) 80 Prozent mit dem eigenen Auto, das sind dann 9600 Fahrten von und zum Gewerbegebiet, die Fahrten zum Wohngebiet und zu den Kleingärten nicht mitgerechnet.

Kein Wunder, dass die Stadt zusätzlich zu den vorgeschrieben Stellplätzen in den Bürokomplexen jetzt endlich den Bau eines Parkhauses vorsieht. Das ist überfällig und wurde schon seit Jahren gefordert.

Millionen-Vorhaben

Nicht realisiert wurde dagegen der Vollanschluss an die B 37/Wilhelm-Varnholt-Allee mittels eines südlichen Anschlussastes inklusive der Verbreiterung der Hermsheimer Straße. Das Millionen-Vorhaben blieb (obwohl man betroffenen Kleingartenbesitzern bereits gekündigt hat) bisher unberücksichtigt - ein Missstand, der dazu führt, dass viel Verkehr auch durch Neuhermsheim abfließt. Das wurde zurecht vom Bezirksbeirat bemängelt.

Will die Stadt also ein attraktives, verkehrlich gut angebundenes, hochwertiges Gewerbegebiet schaffen, muss sie endlich auch diesen Teil des Bebauungsplanes umsetzen. Zeit dafür wäre es. Bis dahin bleiben ruhender und fließender Verkehr Knackpunkte der Entwicklung.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 27.11.2015


Neuostheim: Bezirksbeirat diskutiert über den Bebauungsplan Eastsite / Duale Hochschule will Standort ausbauen

„Eastsite“-Parkhaus geplant

Von den Mannheimer Morgen Redakteurinnen Sylvia Osthues und Anke Philipp

 
Noch nicht fertig erschlossen, aber schon komplett zugeparkt: das Gewerbegebiet Eastsite. © Rittelmann

Bürgerbeteiligung bei Infrastrukturprojekten sollte kein Alibi sein. Das meint der Bezirksbeirat Neuostheim/Neuhermsheim und ärgert sich wieder einmal über das Vorgehen der Verwaltung im Rathaus. Die hatte eine 70-seitige Vorlage zum Gewerbegebiet Eastsite erst kurz vor der Debatte den Politikern zugesandt und dann auf eine schnelle Entscheidung gedrungen.

Der Grund: Zum einen hat die Stadt bereits drei weitere Grundstücke zwischen Harrlachweg und Konrad-Zuse-Ring an die Eastsite Immobilien KG (B.A.U. GmbH & Co. KG) verkauft (bzw. eine Option erteilt). Die Firmen Etego Deutschland GmbH und CEMA GmbH wollen im Gewerbegebiet Bürokomplexe mieten, ihren Mitarbeiterbestand von 90 auf 120 erweitern. Außerdem soll die Eastsite Parkhaus KG für 600 000 Euro ein zwölf Meter hohes Parkhaus mit 200 Stellplätzen errichten. Das geht jeweils aus einer nicht-öffentlichen Vorlage des Gemeinderates hervor.

Bei der Sitzung des Bezirksbeirates im Gemeindesaal von St. Pius stellte Stadtplanerin Anne-Lise Leible den Eastsite-Bebauungsplan vor. Im Jahr 2002 begann die Bebauung am Harrlachweg. Aufgrund der Entwicklung wurde der ursprüngliche Bebauungsplan teilweise geändert. Beispielsweise sollen dort Kindergärten oder Kioske "als eine Art Nutzungserweiterung" etabliert werden. Über diese Änderung sollten die Bezirksbeiräte beschließen, am 1. Dezember ist der endgültige Beschluss im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) des Gemeinderates geplant.

Der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Eastsite

Das gesamte Gebiet ist 14,2 Hektar groß, 7,2 Hektar sind bebaubare Grundstücke, 7 Hektar sind Straßen- und Grünflächen.

Das ehemalige Autohofgelände am Harrlachweg wird seit 1994 neu geordnet.

Im Jahr 2000 beginnt die Entwicklung zum Medien- und Büropark. Hauptprojektentwickler ist seit 2002 die B.A.U. GmbH & Co. KG in der Seckenheimer Landstraße 2.

Eine geplante Verlagerung des städtischen Betriebshofes steht noch aus.

Gehwege und Fahrbahndecken sind fertig. Bäume werden erst gepflanzt, wenn das Gebiet bebaut ist. aph

Bezirksbeirat Andreas Schöber bemängelte: Erst kurz vor der Sitzung sei ihnen die 70-seitige Vorlage zugesandt worden - zu spät, um gründlich zu überlegen. Durch Kindergärten oder Kioske dürfe keine Konkurrenz zu den bestehenden Einrichtungen, Geschäften und Gaststätten in Neuostheim entstehen. Martin Rostock von der Wirtschaftsförderung der Stadt drängte auf einen Beschluss. Investoren müssten Vormietverträge schließen, sonst würden Arbeitsplätze gefährdet. "Jetzt will man uns auch noch für die Arbeitsplätze verantwortlich machen", schimpfte Bezirksbeirat Matthias Geisler. Bezirksbeirat Wolfgang Wittich warnte vor einer weiteren Zunahme des Verkehrs auf der Hermsheimer Straße. Schon heute fahre alles mitten durch Neuhermsheim. Bevor weiter gebaut werde, müsse endlich der seit vielen Jahren diskutierte Vollanschluss an die B37 kommen.

"Auch wenn es heute keinen Bezirksbeiratsbeschluss gibt, wird der AUT am 1. Dezember entscheiden", sagte der Sitzungsleiter Steffen Ratzel. "Der Bezirksbeirat ist eine Null-Nummer, das hat schon Wolfgang Pföhler zu meiner Zeit als Bezirksbeirat gesagt", so Stadtrat Wolfgang Taubert. Stadtrat Dr. Boris Weirauch warnte davor, durch Ansiedlung von Geschäften das Zentrenkonzept zu durchbrechen.

Mehr Lärmschutz gefordert

Auch die Duale Hochschule Baden-Württemberg will ihren Standort in Neuostheim südlich der Hans-Thoma-Straße weiter ausbauen, erklärte Bernd Müller, Leiter des Amtes Vermögen und Bau I. Dort soll ein mehrgeschossiges Parkdeck entstehen. Um die Geschwindigkeit aus der Straße rauszunehmen, werde ein Kurvenverlauf überlegt. Dazu erklärte Andreas Schöber: Seit Jahren sei der Bezirksbeirat an den Verkehrsproblemen auf der Hans-Thoma-Straße und einem barrierefreien Ausbau der Haltestelle dran - allerdings mit mäßigem Erfolg.

Stadtplaner Dominik Pankratz stellte die geplante Fuß-und Radwegebrücke im Bereich Riedbahnbrücke vor. Durch die Erneuerung der DB-Gleisbrücke (Riedbahnbrücke) über die Straße Hans-Reschke-Ufer und die OEG-Gleise in Neuostheim, muss die parallel zur DB-Gleisbrücke verlaufende Fuß- und Radverkehrsbrücke entfernt und durch ein neues Bauwerk ersetzt werden. Das neue Bauwerk soll eine architektonisch ansprechende und attraktive Verbindung zwischen Neuostheim und Feudenheim darstellen, die in Verlängerung des Neckarstegs ("Neckarsprung") der Radwegenetzfunktion und zukünftige Verbindungsfunktion der Stadtteile gerecht wird.

Die Bürger forderten mehr Lärmschutz wegen des zunehmenden Verkehrs und Ausbaus der Straßenbahnanbindung. Die Neuostheimer pochten auf eine Entzerrung von Fuß- und Radverkehr auf dem Neckardamm sowie Geschwindigkeitsbegrenzung nachts auf der Seckenheimer Landstraße. Mit Unterschriftenlisten bekräftigten sie zudem ihre Forderung nach Beleuchtung des Weges vom TSV Mannheim von 1846 nach Neuostheim.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 27.11.2015



Neuostheim: Vorsitzender des Stadtteilvereins, Stefan Bickmann, sieht ein Problem „anrollen“

Güterzugverkehr nimmt zu

Dr. Gunther Mair, Mitglied der GESBIM, spricht mit knapp 30 Teilnehmern über Bahnlärm.

Der Güterzugverkehr durch Mannheim wird in den nächsten Jahren erheblich zunehmen. "Da rollt ein Problem auf uns zu - Bahnlärm macht krank", befürchtet der Vorsitzende des Stadtteilvereins Neuostheim, Stefan Bickmann. Knapp dreißig Teilnehmer begrüßte er beim Vortrag "Gesundheit statt Bahnlärm in Mannheim/Neuostheim" in der Bundeswehrakademie. Dr. Gunther Mair, Mitglied der Bürgerinitiative Gesundheit statt Bahnlärm in Mannheim (GESBIM) und im Stadtteilverein Neuostheim, forderte "maximalen Lärmschutz für die Bevölkerung". GESPIM stehe schon seit Langem dafür ein, dass der schienengebundene Güterverkehr nicht durch die Wohnbebauung fährt. Erforderlich sei ein Tunnel für die Güterzüge wie in Offenbach und Rastatt.

"Lärm macht krank"

Mittlerweile habe GESPIM fast 20 Mitglieder, keine Einzelmitglieder, sondern Gruppen und Initiativen, darunter viele Siedlervereine. Mehr als 4600 Unterschriften hätten sie gesammelt. "Wer jetzt schläft, wird in absehbarer Zeit nicht mehr schlafen können", warnte Mair. Durch den Ausbau der europäischen Haupt-Gütertransversale von Rotterdam nach Genua würden auf der Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim bereits 2025 jede Nacht 160 bis 200 Güterzüge mehr durch Mannheim fahren. "Das bedeutet ein zusätzlicher Güterzug alle drei Minuten zwischen 22 und 6 Uhr", so Mair. "Lärm macht krank", warnte er. Es gebe sogar Studien, die daraus eine erhöhte Zahl an Todesfällen ableiteten.

Auf die Frage, ob nicht auch eine Lärmschutzwand reicht, entgegnete Mair: "Lärmschutzwände sind keine Lösung. Durch Lärmschutzwände wird nur ein Teil des Lärms absorbiert, der Rest wird reflektiert und damit nur verlagert." Das bestätigte Albert Bühler von der Bürgerinitiative Nobl (Neuhermsheim ohne Bahnlärm). Durch die neue Lärmschutzwand an der Östlichen Riedbahn in Neuhermsheim werde der Verkehrslärm auf der Ludwigshafener Straße reflektiert und dadurch deutlich lauter. "Das ist kein Mannheimer, sondern ein regionales Problem, wir versuchen daher, ein regionales Netzwerk aufzubauen", sagte Mair. Die Mitglieder des Stadtteilvereins schlossen sich einstimmig der GESBIM an; wenige Tage später auch die Bürgerinitiative Neuostheim ohne Bahnlärm. ost

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 07.10.2015


Familien: Stadt will von den 274 öffentlichen Spielplätzen 49 abbauen / Beratung auf Wunsch der CDU verschoben

Mehr Rasen, weniger Rutschen

Von dem Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Heiko Brohm

 
Der Spielplatz im Lameygarten (großes Bild und Bild rechts unten) soll nach den städtischen Plänen saniert werden. Für Anlage auf dem Holbeinplatz in Neuostheim (Bild rechts oben) hingegen wird ein "Teilrückbau" vorgeschlagen. © Tröster

Eigentlich finden es ja alle richtig, wenn die Stadtverwaltung den Bürgern etwas erklären will. Nur in diesem Fall, da ist es etwas anders. Die Bürgermeisterin Felicitas Kubala wollte gestern in einem Pressegespräch vorstellen, wie es mit Mannheims Kinderspielplätzen weiter gehen soll. Danach sollten die Kommunalpolitiker darüber im Ausschuss für Umwelt und Technik beraten. Aus beidem wurde nichts.

Der Platz soll bleiben - nur billiger

Das Spielplatzkonzept
Für ihr Spielplatzkonzept hat die Stadtverwaltung zusammen mit dem Landschaftsarchitekturbüro Schellhorn die 274 städtischen, öffentlichen Spielplätze bewertet.
Dafür wurden alle Plätze besucht und begutachtet.
Im Fokus standen die 49 Plätze, die zu Grünflächen umgewandelt werden sollen und die 45, die aufgewertet werden sollen.
Alle anderen Plätze sollen im Grundsatz so bestehen bleiben, wie sie sind. bro

Das Konzept, das die Verwaltung zusammen mit Experten aus einem Planungsbüro vorgelegt hat, schlägt durchaus immense Veränderungen vor. Von den 274 öffentlichen Spielplätzen soll mehr als jeder sechste künftig wegfallen und in eine Grünfläche umgewandelt werden. Insgesamt 49 Plätze sollen abgebaut werden. Auf diese Weise möchte die Stadtverwaltung Geld sparen, das sie dann in die Sanierung von 45 anderen Plätzen investieren möchte.

Allerdings legt die Stadt Wert darauf, dass die betreffenden 49 Spielplätze zu "bespielbaren, weniger pflegeintensiven Grünflächen" umgewandelt werden sollen. Es gehe also nicht darum, Platz für Kinder wegfallen zu lassen, im Gegenteil. "Es geht nicht um die Schließung von Spielbereichen oder die Änderung von Planungsrecht", heißt es in dem Text. Umgesetzt werden soll das Programm nach und nach, insgesamt ist laut Stadtsprecher Dennis Baranski ein Zeitraum von rund zehn Jahren vorgesehen.

Die Stadt gibt jährlich 3,3 Millionen Euro für die Spielplätze aus. Damit muss laut Baranski alles bezahlt werden, vom Reinigungspersonal bis zu neuen Spielgeräten. Als besonders teuer gelten dabei die Geräte, da sie regelmäßig gewartet und repariert werden müssen. Ähnliches gilt für den Sand: Da auch er regelmäßig gereinigt oder gewechselt werden muss, gilt er als kostenintensiv. Mit dem vorhandenen Geld kann die Stadt den Sanierungsstau aber nicht lösen, darum soll eine Schwerpunktsetzung weiterhelfen.

Bei den 45 Plätzen, die saniert werden sollen, will die Verwaltung die Bürger einbinden. Die Beteiligungen sollen sich nicht nur auf die Planung beziehen, "sondern können darüber hinaus in Spielplatz- und Grünflächenpatenschaften weitergeführt werden".

Wann die Politiker aber über die Zukunft der Spielplätze beraten, steht noch nicht fest. Der Ausschuss für Umwelt und Technik zumindest tagt vor der Sommerpause nicht mehr.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 15.07.2015


Neuostheim

Versammlung für Kinder

Im Rahmen des Mannheimer Beteiligungsmodells für Kinder und Jugendliche veranstalten das Kinder- und Jugendbüro 68DEINS! und die Johann-Peter-Hebel Grundschule eine Stadtteilversammlung in Neuostheim. Die Johann-Peter-Hebel Grundschule, die Jugendtheatergruppe der Piusgemeinde und 68DEINS! diskutieren und arbeiten mit den Kindern und Jugendlichen bereits in den Tagen vor der Diskussionsveranstaltung mit der lokalen Politik. Jugendliche und Kinder, die nicht in diesem Rahmen ihre Anliegen erarbeiten, können am Donnerstag, 16. Juli, ab 17.15 Uhr, an einem offenen Tisch im Schulhof der Johann-Peter-Hebel Grundschule mit ihren Altersgenossen eine spontane Präsentation für die Politik erarbeiten. Ab 18 Uhr präsentieren die Gruppen ihre Anliegen und Themen aus dem Stadtteil Neuostheim. Diese Präsentation findet bei gutem Wetter auf dem Schulhof der Johann-Peter-Hebel Grundschule, bei Regen in der Sporthalle statt. Wie immer sorgen Snacks und Getränke für eine entspannte Atmosphäre. red

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 15.07.2015


Neuostheim: Ökumenisches Zentrum ist auf den Weg gebracht

Kita-Neubau erster Schritt

So sieht der Entwurf für die zweigeschossige Kita aus. © bh

Hoffnungsvoll sieht Bernhard Hübner, Vorsitzender des Pfarrgemeindesrates der Seesorgeeinheit Mannheim Johannes XXIII. und Mitglied des Ausschusses Kindergartenbau St. Pius, dem 14. September 2017 entgegen. Denn dann soll, so sieht es der Terminplan vor, auf dem Gelände der Pfarrei in Neuostheim für den Neubau, der das ökumenische Kinderhaus, das evangelische Pfarrhaus und Pfarrbüros enthält, ein großes Eröffnungsfest gefeiert werden.

Bei der jüngsten Info-Veranstaltung im Gemeindehaus St. Pius, stellte Christian Franck vom Mannheimer Architekturbüro Kaupp & Franck die Pläne vor, die auch schon vom Gestaltungsbeirat begutachtet worden waren. Der entlang der Böcklinstraße zweigeschossige und zum Garten hin dreigeschossige Bau soll sich in der Fassadengestaltung (Klinker) und Kubatur an die Kirche angliedern. Er wird das evangelische Pfarrhaus, das gemeinsame Pfarrbüro und den Kindergarten mit vier Gruppen beherbergen.

Im Erdgeschoss gibt es einen großen Mehrzweckbereich, der auch zum Essen genutzt werden kann. Im Gartengeschoss sollen zwei Gruppen mit direktem Zugang zum Garten untergebracht werden. Im Obergeschoss gibt es zwei weitere Gruppen, die über den Verandagang in den Garten mit einer Fläche von 1100 Quadratmeter gelangen können.

Umbau ab 2016

Für jede Gruppe ist ein Gruppenraum, ein Schlafraum und ein Funktionsraum geplant. In der Einrichtung soll zukünftig eine Ganztagesbetreuung der Kinder, die es bisher nicht gab, möglich sein. "Ich denke, wir haben eine sehr gute und kompakte Lösung gefunden und sind im Zeitplan", stellte Christian Franck fest. Derzeit werde die Finanzierung von den Beteiligten, der Erzdiözese Freiburg und dem Oberkirchenrat in Karlsruhe geprüft. Als Zuschussgeber für die Kita ist noch die Stadt Mannheim im Boot.

Anfang 2016 soll mit dem Umbau begonnen werden und das Gebäude, wenn alles gut geht, bis Mitte/Ende 2017 fertig sein. Für die Zeit der Umbauphase würden für den katholischen Kindergarten Räumlichkeiten von der Baptisten-Gemeinde in Neuostheim angemietet, berichtete Bernhard Hübner. Dagegen stehe man in Sachen Neugestaltung der Kirche, in der die evangelische Thomasgemeinde und die katholische Pfarrei St. Pius gemeinsam beheimatet sind, noch am Anfang der Planungen. "Wir haben erste Schritte eingeleitet und einige Bänke durch Stühle ersetzt", berichtete Hübner. Zudem hätten bereits Gespräche mit dem erzbischöflichen Bauamt in Heidelberg stattgefunden und es sei ein ökumenischer Ausschuss gebildet worden, der sich mit der Umgestaltung befasse. bh

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 15.07.2015


Neuostheim: FWD Hausbau- und Grundstücks GmbH Dossenheim investiert 22,5 Millionen Euro in ein Seniorenzentrum

Kirche wird Tagungszentrum

Von der Mannheimer Morgen Mitarbeiterin Bettina Henkelmann

 
FWD-Geschäftsführer Matthias Günther erläutert interessierten Neuostheimern die Pläne für das neue Seniorenzentrum auf dem Thomas-Gelände. © bh

Betreutes und pflegenahes Wohnen, eine vollstationäre und eine Kurzzeit-Pflege, eine Tagespflegeeinrichtung sowie ein Gesundheitszentrum: das alles soll es, wenn alles gut geht, ab Mitte 2017 auf dem Areal der Thomaskirche in Neuostheim geben.

Bei einer Informationsveranstaltung im Gemeindehaus der Pfarrei St. Pius stellte der Investor, die FWD Hausbau- und Grundstücks GmbH Dossenheim das Bauvorhaben mit einem Investitionsvolumen von etwa 22,5 Millionen Euro vor. Das Vorhaben und die Pläne der PIA Architekten GmbH Mannheim stießen bei den rund 120 interessierten Bürgern durchweg auf Zustimmung.

Der fünfgeschossige Bau mit schlammfarbener Fassade, die weiß abgesetzt wird, soll 77 vollstationäre Pflegeplätze, davon eine Spezialgruppe für Demenzpatienten und 36 Appartements des pflegenahen Wohnens mit einer Größe von 45 bis 50 Quadratmetern beherbergen.

Daneben sind eine Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie eine Tagespflegeeinrichtung für den Stadtteil für 20 Tagesgäste und eine Krankenhausnachsorge mit einem zusätzlichen Angebot für die Reha- und Vitalpflege vorgesehen.

Ein zusätzliches Highlight seien, so Alex Zimmermann von FWD, ein Wellnessbereich mit Fitnessraum und eine Sauna mit Ruheraum und Zugang zur Dachterrasse. Nicht zuletzt sollen auf dem Gelände 40 Wohnungen mit einer Größe von 55 bis 80 Quadratmetern des betreuten Wohnens entstehen, die man mieten oder kaufen kann.

"Über allem steht für uns der diakonische Gedanke, deshalb sind die Seelsorge und eine kirchliche Begleitung im Haus ganz wesentlich", betonte Zimmermann. So wird es neben den Räumen für die Verwaltung des Pflegeheims auch einen sakralen Raum geben. Zudem stehe die Cafeteria mit Außenterrasse, für die eine vielfältige Nutzung vorgesehen ist, auch für Gottesdienste zur Verfügung.

Baugenehmigung im August

Noch in diesem Jahr soll es losgehen. "Der Bauantrag wurde gestellt. Wir hoffen, dass wir im August die Baugenehmigung bekommen und danach mit dem Abriss beginnen können", ist Alex Zimmermann zuversichtlich. In die Vollpflegeeinrichtung würden zunächst die Bewohner des Zinzendorf-Hauses in der Gartenstadt einziehen, berichtete Peter Grewe, Geschäftsführer der Evangelische Pflegedienste Mannheim gGmbH (EPMA), die Trägerin der neuen Einrichtung sein wird: "Das Zinzendorf-Haus wird abgerissen und neu gebaut, um künftig der neuen Pflegegesetzgebung und Heimbauverordnung zu entsprechen, die im wesentlichen Einzelzimmer mit einer bestimmten Mindestgröße vorschreibt."

In der Thomaskirche selbst, die Ende 2009 durch einen doppelten Wasserschaden unbenutzbar wurde, wird die B.A.U. GmbH & Co. KG mit Peter Gaul, ein Tagungs- und Fortbildungszentrum für die Mitarbeiter des Büroparks Eastsite einrichten. Im ehemaligen Gotteshaus werde es auch einen Mittagstisch für die Mitarbeiter und für Bewohner des Stadtteils geben, berichtete Pfarrerin Martin Egenlauf-Linner am Rande der Veranstaltung. Für letztere sollen die Räumlichkeiten nach Feierabend und an den Wochenenden für Festivitäten zur Verfügung stehen.

Die Kirche, wie auch das gesamte Grundstück, bleiben im Eigentum der evangelischen Kirche und werden von den jeweiligen Investoren in Erbpacht für 99 Jahre gemietet.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 15.07.2015


Kirche: Pläne für Gelände der Thomasgemeinde vorgestellt

Zentrum für Senioren in Neuostheim

Die Evangelische Kirche hat die Pläne zur Weiterentwicklung des Geländes der Thomasgemeinde an der Seckenheimer Landstraße in Neuostheim vorgestellt. Demnach plant die FWD Hausbau- und Grundstücks GmbH aus Dossenheim bis Mitte 2017 mit einem Investitionsvolumen von rund 22,5 Millionen Euro auf dem rund 5200 Quadratmeter großen Areal ein Seniorenzentrum mit einer vollstationären Pflege- sowie einer Verhinderungs- und Kurzeitpflegeeinrichtung, Tagespflegeplätzen und einem Gesundheitszentrum zu bauen. Zudem soll es Wohnungen für Betreutes und Pflegenahes Wohnen geben.

Gotteshaus und Grundstück bleiben im Eigentum der Kirche und werden den Investoren in Erbpacht zur Verfügung gestellt. bh

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 15.07.2015


Neuostheim: St. Pius-Theatergruppe beim Festival

„Traumpaar“ erneut auf der Bühne

Anfang des Jahres brillierten sie mit ihrer neuen Produktion: "Traumpaar": die Jugendtheatergruppe St. Pius, die sich in den mehr als fünf Jahren seit ihrer Gründung eine professionelle Spielweise angeeignet hat, ist mit dem Stück von Zoran Drvenkar beim 10. Festival Junges Theater im Delta vom 15. bis 19. Juli am Nationaltheater mit von der Partie. Wegen des großen Erfolges und als Vorbereitung auf das Festival gibt die Truppe am Samstag, 11. Juli, 19.30 Uhr im Gemeindesaal St. Pius, Holbeinstraße/Böcklinstraße eine Zusatzvorstellung. In dem Jugendtheaterstück, das für Zuschauer ab 14 Jahren empfohlen ist, agieren absurde und zugleich alltägliche Figuren, verstrickt in ein komplexes Gebilde von Verbindungen, Beziehungen und Freundschaften. Die Eintrittskarten kosten im Vorverkauf 7 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Jugendliche und Schüler. Sie sind erhältlich bei "Blumenwerk", Dürerstraße 4, oder unter der E-Mail-Adresse: theater@stpius-mannheim.de. bh

„Meilenstein für unseren Stadtteil“

Ministranten von St. Pius holten die evangelischen Gläubigen ab.

Ein erstes Etappenziel des ökumenischen Projektes ist erreicht: Mit der Schlüsselübergabe an Dr. Gerlinde Kammer, Vorsitzende des Ältestenkreises der evangelischen Thomasgemeinde, wurden die Neuostheimer Protestanten am Samstag im Rahmen eines Festgottesdienstes offiziell in ihrem neuen Zuhause in der St. Piuskirche willkommen geheißen.

Es war ein bewegender Moment, als die evangelischen Gläubigen, angeführt von 16 Ministranten der Pfarrei St. Pius, die ihre Glaubensgeschwister zuvor von der 500 Meter entfernten Thomaskirche abgeholt hatten, in das Gotteshaus einzogen. Das Ende des Zuges markierte Pfarrerin Martina Egenlauf-Linner, die die Bibel trug und auf den Altar in St. Pius niederlegte.

"Das ist auch für uns ein wichtiges Zeichen, denn dort, wo Gottes Wort wohnt, da sind wir zu Hause", sagte Bernhard Hübner, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates der Kirchengemeinde Mannheim Johannes XXIII., zu der St. Pius gehört. "Dieser Tag ist ein wichtiger Meilenstein für unseren Stadtteil", stellte Pfarrer Dr. Klaus von Zedtwitz fest. "Wir finden uns zusammen in einem starren Gebäude, aber als lebendige Gemeinde trotz aller Unterschiedlichkeit."

Es sei heute nicht mehr so wichtig, auf die trennenden Dinge hinzuweisen, sondern den Reichtum des anderen zu entdecken, betonte Egenlauf-Linner: "In diesem neuen Aufbruch sind wir gemeinsam unterwegs. Wir müssen miteinander Antworten finden auf die Fragen, die heute anstehen, denn wir haben eine gemeinsame Botschaft."

Wie das Siegel auf einer Urkunde bestätigte daraufhin das Blechbläser-Ensemble "BrassCats" das Gesagte mit der machtvollen Hymne "Jerusalem" von C. Hubert H. Parry. Seit die Thomaskirche vor fünf Jahren durch einen doppelten Wasserschaden unbenutzbar wurde, genoss die Gemeinde bereits Gastrecht in St. Pius. Auf dem Gelände der Pfarrei sind in naher Zukunft ein Ökumenisches Zentrum sowie eine gemeinsame Kita geplant. bh

© Mannheimer Morgen, Montag, 29.06.2015


Neuostheim: Evangelische Gemeinde zieht vom „Thomasgelände“ nach St. Pius / Fest und ökumenischer Gottesdienst am 27. Juni

„Wir empfangen Euch mit offenen Armen“

Von dem Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Anke Philipp

Großer Schritt der Ökumene: Das Umzugsfest nach St. Pius steht am Samstag auf dem Programm.

Seit 2013 planen evangelische und katholische Kirche einen gemeinsamen Neubau in St. Pius anstelle der beiden sanierungsbedürftigen Altbauten in Neuostheim (wir berichteten). Erste Architekturpläne für das Projekt wurden schon vorgestellt. Nun nimmt das in Baden eher seltene, ökumenische Vorhaben weiter Gestalt an. Am Samstag, 27. Juni, gehen beide Gemeinden im wahrsten Sinne des Wortes einen weiteren Schritt aufeinander zu.

Als Höhepunkt ihres Gemeindefests auf dem Gelände der Thomaskirche zieht die evangelische Gemeinde demonstrativ in die benachbarte katholische Kirche St. Pius um. Dort wird um 18 Uhr ein ökumenischer Festgottesdienst gefeiert. "Wir eröffnen neue Räume" lautet das programmatische Motto des Tages. Denn das Fest, das um 15 Uhr auf dem "Thomasgelände" beginnt, soll nach dem Wunsch der beiden Kirchen einen "Aufbruch in die neue ökumenische Zukunft markieren".

"Wir empfangen Euch mit offenen Armen", freuen sich daher der katholische Dekan Karl Jung und Pfarrer Klaus Zedtwitz. "Wir haben die große Chance, umzusetzen, was in der Luft liegt", meinen auch sein evangelischer Kollege, Dekan Ralph Hartmann, und die Thomas-Gemeindepfarrerin Martina Egenlauf-Linner: "Denn viel stärker als die jeweiligen konfessionellen Prägungen steht im Vordergrund, dass wir gemeinsam als Christen in dieser Welt leben und handeln."

Das Gastrecht, das die Protestanten in St. Pius genießen, seit die Thomaskirche vor fünf Jahren durch einen doppelten Wasserschaden unbenutzbar wurde, soll auf diese Weise nun besiegelt werden. "Die seit mehr als 30 Jahren intensiv gelebte Ökumene ist die Basis dieser Entwicklung", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der beiden Konfessionen.

Gemeinsamer Gottesdienst

Auf dem Festprogramm ab 15 Uhr steht ein buntes Programm mit und für Kinder. Ab 16 Uhr bietet die Kunsthistorikerin Ursel Dann Führungen durch die Thomaskirche an. Um 17.45 Uhr stellen sich Ältestenkreis und Kita-Kinder auf, um gemeinsam mit Pfarrerin Martina Egenlauf-Linner die Altarbibel in die rund 500 Meter entfernte katholische Kirche St. Pius zu tragen, dort einzuziehen und mit den katholischen Geschwistern den ökumenischen Gottesdienst zu feiern. Während des Gottesdienstes und beim anschließenden Umtrunk setzt das Bläser-Ensemble "BrassCats" musikalische Akzente.

Über die nächsten Schritte hin zum Ökumenischen Zentrum Neuostheim gibt es dann am 8. Juli, um 20 Uhr im Gemeindehaus von St. Pius (Böcklinstraße) Informationen aus erster Hand: Die Architekten vom Büro Kaupp & Franck stellen die weiter entwickelten Entwürfe für die geplante gemeinsame Kita auf dem Gelände von St. Pius vor. Das Projekt "Wohnen im Alter" mit den Bereichen Pflege, pflegenahes Wohnen und betreutes Wohnen auf dem Thomas-Areal wird ebenfalls vorgestellt. Zudem gibt es Informationen über die Perspektiven der Thomaskirche.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 24.06.2015



Camping-Konzept: Stadt will Platz in Neuostheim schließen / Verein kämpft weiter für den Erhalt der Anlage / „Keine Alternative“

„Grüne Heimat“ geht verloren

Von dem Mannehimer Morgen Redaktionsmitglied Roger Scholl

Traurig ja - aber aufgeben? Nein! Henri Hühne (l.) und Michael Bischoff von den Campingfreunden Neuostheim wollen um ihren Platz kämpfen.

Schön ist es hier unten, selbst an einem solchen Tag, da der Regen ausgedehnte Pfützen kräuselt, in dicken Tropfen die Vorzeltfenster hinunter rinnt und die ordentlich gemähten Wiesen aufweicht.

Hier, das ist der Platz der Campingfreunde Neuostheim. Auf dem Gelände am Neckar haben Frauen, Männer und Kinder ihre "grüne Heimat" gefunden, haben Pergolen gezimmert, balkonartige Vorbauten mit hölzernen Planken ausgelegt, neben sauber gestutzten Hecken Blumenkübel drapiert und ihre Parzellen mit niedrigen Jägerzäunen abgesteckt. Jede davon ein kleines privates Freizeitparadies für Menschen, die keinen Garten haben zu Hause und manche vielleicht auch kein Geld für Urlaube. Jahrzehnte lang haben sie das hier draußen aufgebaut - doch zum 31. Dezember kommt das Ende des Idylls. Die Stadt hat ihnen gekündigt, der Platz soll geräumt und geschlossen werden. Doch "kampflos", wie Michael Bischoff, der Vereinschef, trotzig betont, werde man diese "grüne Heimat" nicht aufgeben.

Das Camping-Konzept
Die Stadt arbeitet an einem Camping-Konzept. Zum einen soll der Campingplatz in Neuostheim aufgegeben werden, die Gründe dafür sind Hochwassergefahr und der Radweg, der mitten durch das Gelände führt. Ein Alternativplatz für die Campingfreunde ist nicht vorgesehen.
Auf der anderen Seite soll der Platz am Strandbad ertüchtigt werden.
Zudem sucht die Stadt einen Wohnmobilstellplatz für den zunehmenden Städtetourismus. Ein möglicher Standort ist die Hans-Thoma-Straße.

Das Ende rückt näher, seit mehr als einem Jahr wissen die rund 60 Vereins-Camper bescheid, die Stadt hat ihnen ihre Planungen schriftlich mitgeteilt, die Kündigung datiert den letzten Tag auf den 31. Dezember 2015. Die Gründe: Hochwassergefahr und ein vielbefahrener internationaler Radweg, der mitten durch das Gelände am Neckargestade führt. Gründe, die Bischoff und seine Vereinsfreunde, nicht nachvollziehen können: "Hochwasser haben die Kollegen vom Strandbad auch, und das mit dem Radweg, da ließen sich Lösungen finden."

Die Stadt sieht das anders, in ihrem Camping-Konzept spielt Neuostheim keine Rolle mehr: Am Sachstand habe sich nichts geändert, ließ die Verwaltung auf Anfrage wissen. Die Stadt will die Schließung, sie dürfte, wie sich zuletzt im zuständigen Ausschuss abgezeichnet hat, in der Kommunalpolitik mehrheitsfähig sein. Dagegen soll der Platz am Strandbad ertüchtigt werden, durch ein neues kombiniertes Camping-Kiosk-Gebäude etwa. Und auch für durchreisende Wohnmobilisten, eine stark zunehmende Form des Stadt-Tourismus, sucht die Stadt einen geeigneten Platz. Ob das allerdings der Standort in der Hans-Thoma-Straße bleibt oder ob auch andere Alternativen dafür in Frage kommen, muss sich zeigen. An der bereits ausgesprochenen Kündigung für Neuostheim halte man dagegen alternativlos fest, so hieß es gestern.

Doch damit wollen sich die Camper am Neckarufer nicht abfinden: "Wir wollen eine faire Chance, wir wollen beweisen, dass wir den Campingplatz anständig und zur Zufriedenheit aller betreiben können", sagt Bischoff, die entsprechenden Pläne habe man entworfen: "Etwa bei den Durchgangscampern drüben auf der anderen Seite, da würden wir Wasserleitungen mit entsprechenden Entnahmestationen hinlegen, einen Dusch-Container anmieten und das Gelände ebnen." Investieren könne man freilich nicht - "nicht mit der Unsicherheit jetzt".

"Wo sollen wir denn hin?"

Für die Menschen hier draußen ist das Aus mehr als ein bloß verwaltungstechnischer Akt - Bischoff: "Der Platz, der ist uns doch längst zweite Heimat geworden, da treffen sich Familien, da sitzt man zusammen, arbeitet zusammen, wenn einer Hilfe braucht. Die meisten sind doch schon seit Jahrzehnten hier."

Wie Henri Hühne, der 77-Jährige aus der Neckarstadt campt seit 1976 unten am Neckar, "das hier, das ist der Traum meiner Frau", sagt er resigniert, "die von der Stadt, die kümmern sich doch nicht um Menschen wie uns". Was werden soll, wenn die Anlage tatsächlich zum Jahresende aufgegeben werden muss, darüber will er gar nicht nachdenken: "Wo sollen wir denn hin, so viele finanzielle Möglichkeiten haben wir nicht mehr als Rentner".

Und auf anderen Anlagen in der Nähe als Dauer-Camper sozusagen eine neue grüne Heimat finden? "Ach was, unmöglich, da gibt's ja lange Wartelisten." Und ob er wirklich woanders noch mal neu anfangen könne? "In meinem Alter? Ich weiß nicht. Ich . . .wir alle würden so gerne hier bleiben."

© Mannheimer Morgen, Freitag, 19.06.2015


Bahnverkehr: Stadtteilorganisationen, Siedlergemeinschaften und Vereine schließen sich zur Bürgerinitiative „GESBIM“ zusammen

Widerstand gegen Bahnlärm

Von dem Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Martin Tangl

 
Der Lärm des künftige Güterverkehrs auf der Schiene zwischen dem Mannheimer Norden und dem Rangierbahnhof bereitet Politikern wie Bürgerinitiativen Sorge. Prognostiziert werden bis zu 200 Güterzügen pro Nacht.

"Es bewegt sich was", freut sich Norbert Jäger von der Neuostheimer Bürgerinitiative "Innovativer Lärmschutz". Nicht nur, dass sich der Widerstand immer intensiver gegen die Durchfahrt von lauten Güterzügen durch Mannheim formiert. Inzwischen haben sich 15 Vereine und Gruppierungen zusammengetan, um gemeinsam Front gegen Bahnlärm zu machen (siehe Info-Box). Auch die Politik hat jetzt das brisante Thema "Lärmschutz an Bahntrassen" erkannt.

Im Zuge der Neuordnung des Bahnverkehrs zwischen den Seehäfen Rotterdam und Genua könnte Mannheim in Zukunft zum Nadelöhr im internationalen Schienenverkehr werden. Dann würden Nacht für Nacht bis zu 200 Güterzüge durchs Stadtgebiet rollen (wir berichteten) "Wir haben am 2. Juli erneut ein Treffen mit Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und seinem Dezernenten Christian Specht", kündigt Jäger an. Die Bürgerinitiative "Gesundheit statt Bahnlärm in Mannheim" (GESBIM) kämpft für eine Mannheimer Tunnellösung für den Güterverkehr.

Mitglieder der GESBIM
Bürgerinitiative GESBIM ("Gesundheit statt Bahnlärm in Mannheim"), auch bekannt unter "Lärmhochdrei", hat inzwischen 15 Mitglieder:
Siedler- und Eigenheimergemeinschaft Blumenau.
Siedlergemeinschaft Schönau,
KIG Kultur- und Interessensgemeinschaft Schönau
Siedler- u. Wohneigentumsgemeinschaft Neueichwald I,
SEG "Einigkeit" Gartenstadt.
Siedlergemeinschaft Speckweg.
Bürgerinitiative (BI) Stammtisch Centro Verde.
BI "Lärmschutz Neuostheim 2013",
BI "Innovativer Lärmschutz Riedbahn Ost",
Siedlergemeinschaft Neckarau.
Siedler- u. Wohneigentumsgemeinschaft Casterfeld,
Gemeinnütziger Verein Rheinau,
Rheinauer Gewerbeverein,
BASF-Siedlergemeinschaft Rheinau-Süd,
Siedlergemeinschaft Friedrichsfeld.

Internet www.gesbim.de

Bundesweit reift die Erkenntnis: Bahnlärm macht krank. Das bestätigt nach Auskunft des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums gerade eine neue Auswertung der Fachliteratur. Zu den Folgen zählen laut dieser Studie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen und Stress. "Lärm ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit, der Bund muss hier dringend handeln'", forderte jüngst die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) in Mainz.

In Rheinland-Pfalz plagt Bahnlärm vor allem das Mittelrheintal - Hunderte Züge rattern hier jeden Tag über die sonst so malerische Strecke. Das Umweltministerium hat die Studie gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen und Hessen erstellt.

Debatte im Gemeinderat

Auch der Gemeinderat in Mannheim hatte im Rahmen der "Korridorstudie" für den Bahnverkehr zwischen Frankfurt und Karlsruhe die Bahnlärm-Problematik diskutiert. "Die Studie beschäftigt sich nicht mit dem Verlauf der Trasse auf Mannheimer Gebiet", informierte Specht die Stadträte. In einem Konsultationsverfahren könnten jetzt Vorschläge und Ideen an das Bundesverkehrsministerium abgegeben werden. Vertieft müsse diskutiert werden, wie Mannheim den Bahnverkehr bewältigen könne. Das reiche von der Erweiterung der Kapazitäten im S-Bahn-Verkehr bis zu einem verbesserten Lärmschutz. "Uns geht es aber auch um den Schutz des Käfertaler Walds", ergänzte Stadtrat Roland Weiß (Freie Wähler/Mannheimer Liste). Raumverträglichkeit, Natur- und Umweltschutz, die Fauna-und-Flora-Habitat-Richtlinien der EU (FFH), all das muss berücksichtigt werden. Auf der anderen Seite gilt der Schutz vor Bahnlärm für die Menschen - und da reichen die Vorschläge bis zu einer Tunnellösung für Güterzüge mit Anbindung an den Rangierbahnhof. Klar ist aber auch für den Gemeinderat: Auch künftig muss jeder ICE am Hauptbahnhof halten, eine erneute Bypass-Diskussion für die schnellen Personenzüge dürfe es nicht geben.

Bei ihrer ersten gemeinsamen Sitzung hat auch die Bürgerinitiative GESBIM im Gasthaus Maruba in Sichtweite der Feudenheimer Riedbahnbrücke die Problematik erörtert. Dabei waren sich die verschiedenen Stadtteilorganisationen, Siedlergemeinschaften und Vereinen einig, "dass der Kampf um die Vermeidung des Lärms der prognostizierten 200 Güterzüge pro Nacht 2025/30 noch schwierig wird". Nur gemeinsam mit der Politik sei das Problem zu bewältigen. Aber im Bereich der drohenden "Lärmhölle" Offenburg oder in Rastatt im Oberrheintal werde es ja künftig auch einen "Umgehungstunnel" geben.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 11.06.2015


Tunnel für Güterzüge

Norbert Jäger, Martin Steinbrenner, Jürgen Kuhn, Gunther Mair (v.l.).

In Neuostheim haben sich zwei Bürgerinitiativen zusammengetan, um sich gegen drohenden Bahnlärm zu engagieren. Die Initiativen "Lärmschutz Neuostheim" mit Martin Steinbrenner und Dr. Jürgen Kuhn sowie die BI "Innovativer Lärmschutz" mit Norbert Jäger und Dr. Gunther Mair fordern von Bahn und Politikern, Mannheim vor dem Lärm durchfahrender Güterzüge zu verschonen. Durch neue Strukturen rechnen Experten mit bis zu 200 Güterzügen jede Nacht auf der westlichen und östlichen Riedbahn. Die Bürgerinitiative fordert: Mannheim braucht einen Güterzug-Bypass in Tunnelbauweise. tan

© Mannheimer Morgen, Freitag, 05.06.2015


Kitas unter der Lupe (Teil 125): Im katholischen Kindergarten St. Pius stehen in den nächsten Monaten spannende Umbrüche an / Neubau im ökumenischen Zentrum bis 2017 geplant

Neue Räume und neue Aufgaben

Von dem Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Annika Wind

 
Wohlfühlatmosphäre im Kindergarten St. Pius. Im Bild das Erzieherinnen-Team.

Massagen in Wohlfühlatmosphäre? Nein, wir sind in keinem Wellness-Tempel, sondern im katholischen Kindergarten St. Pius. Regelmäßig kommen hier die Kleinen in der "Traumwolke" zusammen - im wahrsten Sinne des Wortes. Dann gehen sie mit einer der Erzieherinnen in einem gemütlich eingerichteten Zimmer auf Gedankenreise, lassen sich Geschichten vom Drachen Grünstein erzählen, träumen sich auf bequemen Matten und im Kuschelambiente davon. Um im Anschluss den anderen Kindern von ihrer Fantasiereise zu erzählen und Bilder zu malen.

Eigentlich ist der katholische Kindergarten in Neuostheim gerade nicht besonders gut für ein Porträt geeignet. Denn viel wird sich in nächster Zeit verändern. Die Kindergärten der evangelischen Gemeinde in der Dürerstraße und von St. Pius werden abgerissen und im Sommer 2017 in einem neuen ökumenischen Zentrum ein Z uhause finden. Ein Pilotprojekt in Mannheim - und eine große Herausforderung für die Erzieherinnen. "Wir besprechen mit den Kindern, was sie unbedingt mitnehmen möchten und dass sich nicht gleich alles verändern wird", erzählt Dunja Frank, die Kita-Leiterin vom geplanten Auszug aus dem 60er-Jahre-Gebäude. Schon im Januar sollen die Kleinen in Räumlichkeiten der Baptistengemeinde in der Hans-Thoma-Straße betreut werden. Und natürlich bleiben die Gruppen mit ihren Erzieherinnen so beisammen wie bisher.

Sprachförderung und Musikerziehung - beide Bereiche decken die Erzieherinnen selbst ab, denn einige haben Zusatzausbildungen gemacht. Mit Wippen, Tischen und Decken haben die Kleinen an diesem Morgen einen Bewegungsparcours gebaut. "Die Burg im Bewegungszimmer wird uns fehlen", sagt Frank, denn wer hat schon eine Art Klettergerüst, das bis unter die Decke reicht?

Der Kindergarten St. Pius in Neuostheim

  • Mitarbeiter: 5
  • Kinder: 40
  • Adresse: Böcklinstr. 51, 68163 Mannheim, Telefon 0621/41 32 82
  • Preise: 110 Euro (1. Kind), 67 Euro (2. Kind)
  • Eröffnungsjahr: 1962
  • Träger: Katholische Kirche
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 7 bis 14 Uhr (VÖ)
  • Letztmalig saniert: 2010 (Fenster)
  • Schließtage pro Jahr: 26

So bewertet der „MM“

Parkplätze ***** (5 Sterne)

Außengelände ***** (5 Sterne)

Spielgeräte ***** (5 Sterne)

Verpflegung keine

Sanitäre Anlagen **** (4 Sterne)

Erscheinungsbild **** (4 Sterne)

Pädagogische Angebote **** (4 Sterne)

Zusatzangebote **** (4 Sterne)

Ausstattung **** (4 Sterne)

Vorfreude auf die neuen Räume

Zugleich freuen sich die insgesamt fünf Erzieherinnen, von denen zwei über 30 Jahre, die Leiterin selbst mehr als 20 Jahre zum Team gehören, auf die neuen Räume: "Uns fehlen ein Besprechungszimmer, Material- und Funktionsräume, Duschen", zählt Frank auf - auch die bisherige Küche ist sehr klein. 40 Kinder werden derzeit im Pius-Kindergarten betreut, 84 sollen es im neuen ökumenischen Zentrum werden. Drei Gruppen gibt es im Kindergarten - eine blaue, gelbe und rote. Doch die meiste Zeit verbringen die Kinder mit den Spielkameraden und Spielzeugen, die sie sich selbst aussuchen.

An einem "Expertentisch" werden gerade Schnecken aus Papier angemalt und ausgeschnitten. Dazu gibt es Schneckenlieder, Schneckentänze, Schneckengeschichten. "Die Impulse, welche Themen wir gerade aufnehmen, kommen von den Kindern selbst", erzählt Erzieherin Harriet Spoor. Es gebe ja keinen festen Lehrplan, aber dafür immer den Anspruch, im Prinzip alle Lebensbereiche spielerisch zu entdecken, zu vermitteln. "Wir zeigen den Kindern unsere Liebe zur Arbeit", sagt Spoor

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 27.05.2015


TOURISMUS: Sportausschuss lässt Areal an der Hans-Thoma-Straße und Freifläche am Technoseum als Wohnmobilstellplatz prüfen
Standortfrage bleibt weiterhin offen
Vom Mannheimer Redaktionsmitglied Dirk Jansch

Das Gelände an der Hans-Thoma-Straße im Gewerbegebiet Mühlfeld als möglicher Standort für einen Wohnmobilstellplatz ist nicht unumstritten.

Immer mehr Kulturtouristen kommen mit dem Wohnmobil nach Mannheim, die nur tageweise bleiben und sich die Stadt anschauen wollen. Doch für diese Gruppe gibt es momentan keine geeigneten Stellplätze. Deshalb war die Stadt beauftragt, nach einem zentralen, campingplatzunabhängigen Standort Ausschau zu halten, von dem aus man möglichst zu Fuß oder mit dem ÖPNV zur Stadtbesichtigung oder zum Einkaufsbummel aufbrechen kann. Im letzten Ausschuss für Sport und Freizeit sahen die Fraktionen aber noch Nachbesserungsbedarf.
 
Deshalb hatte der Fachbereich Sport und Freizeit die ausgeguckten Standorte anhand einer Bewertungsmatrix noch mal einer genaueren Bewertung unterzogen. Der Favorit blieb der gleiche: ein Areal im Gewerbegebiet Mühlfeld zwischen Hans-Thoma-Straße und Seckenheimer Landstraße. Es bietet Platz für 15 Stellplätze und besticht aus Verwaltungssicht durch seine Nähe zur SAP-Arena und zum Maimarktgelände sowie durch gute Erreichbarkeit des ÖPNV und von Nahversorgungseinrichtungen.
Doch was die Verwaltung als geeigneten Standort bewertet, das sehen andere nicht ganz so. Allen voran der Bezirksbeirat Neuostheim/Neuhermsheim, der in seiner Sitzung am Mittwoch die von der Stadt bevorzugte Variante klar mit 9:1-Stimmen ablehnte. Wie Matthias Geisler (CDU) berichtete, waren vor allem die beengten Verhältnisse auf dem schlauchförmigen Gelände sowie die Rückstaugefahr bei der Einfahrt der Wohnmobile ausschlaggebende Gründe. Vielmehr hätte der Bezirksbeirat die Freifläche hinter dem Technoseum als möglichen Standort befürwortet.
Und damit ist er nicht allein, denn sowohl Holger Schmid (Freie Wähler/Mannheimer Liste) als auch Nikolas Löbel (CDU) redeten einem Stellplatz am Technoseum das Wort. "Wir haben Zweifel, ob Lage und Größe an der Hans-Thoma-Straße ausreichend sind", argumentierte Löbel. Holger Schmid wies auf die Nähe zum B & B Hotel hin, zudem liege der Stellplatz mitten in der Einflugschneise des City Airports.
Die anderen Parteien argumentierten dagegen: Für Gabriele Baier (Grüne) ist der Vorschlag der Verwaltung ein erster Einstieg, dem aber ein Konzept für die Campingsituation in ganz Mannheim folgen müsse. Auch Andrea Safferling (SPD) sieht das Ganze als einen Anfang. Für Dr. Birgit Reinemund (FDP) ist es "die einzige Möglichkeit, eine kurzfristige Lösung zu finden." Uwe Kaliske vom Fachbereich Sport und Freizeit wies darauf hin, dass das Areal am Technoseum zur Hälfte dem Land gehöre, außerdem liege es direkt an der Riedbahntrasse.
Am Ende einigte man sich gegen die Stimmen von Holger Schmid und Dr. Gerhard Schäffner (AfD) auf den Kompromissvorschlag der CDU, wonach die Verwaltung beide Varianten gleichberechtigt prüfen und abhängig von den Kosten eine Priorisierung vornehmen soll. Sitzungsleiter Bürgermeister Lothar Quast schloss nicht aus, dass bei anhaltendem Bedarf noch weitere Stellflächen für Wohnmobile ausgewiesen werden müssten.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 22.05.2015


KATHOLISCHE KIRCHE: Dekanatsrat wählt Hansheinrich Beha als neuen Vorsitzenden
„Ökumene besonders wichtig“

Von der Mannheimer Morgen Mitarbeiterin Bettina Henkelmann



Wünscht sich einen Kirchentag 2017 in Mannheim: Hansheinrich Beha.

Der Mannheimer Dekanatsrat hat einen neuen Vorsitzenden: Das oberste Laiengremium der Katholiken wählte bei seiner konstituierenden Sitzung den 68-jährigen Hansheinrich Beha für die nächsten fünf Jahre. Der pensionierte Studiendirektor, der bereits seit 1995 dem Vorstand des Dekanatsrates angehört, löst damit Gabriele Blank ab, die seit 2005 Vorsitzende war.
 
Als Stellvertreterin Behas votierten die 32 Delegierten für Claudia Jacobs. Die 61-Jährige, die beim Caritasverband in Bruchsal arbeitet, ist Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der Seelsorgeeinheit Mannheim Neckarstadt. Bei seiner kurzen Vorstellung kündigte Hansheinrich Beha an, Schwerpunkte seiner Arbeit gemeinsam mit dem gesamten Gremium festlegen zu wollen. Der Neuostheimer, der seine geistliche Heimat in der Pfarrei St. Pius (Seelsorgeeinheit Johannes XXIII.) hat, gehört auch dem Diözesanvorstand des Sportverbandes DJK an. Beha ist verheiratet und hat zwei Töchter sowie vier Enkel. Ein besonderes Anliegen sei ihm die Ökumene, bestätigte er. Auf Nachfrage von Pfarrer Lukas Glocker meinte Beha, dass er Bestrebungen, einen ökumenischen Kirchentag im Lutherjahr 2017 in Mannheim abzuhalten, uneingeschränkt unterstützen würde.
Damit setzt er die Arbeit seiner Vorgängerin Gabriele Blank fort, die unter anderem federführend beim Zustandekommen der Ökumenischen Rahmenvereinbarung im Jahr 2008 und der Fortschreibung im Jahr 2013 war. Ihr Engagement in dem Gremium, das vorrangig pastoral ausgerichtet ist, galt unter anderem in besonderer Weise dem interreligiösen Dialog, dem kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und dem gleichberechtigten Zusammenwirken von Frauen und Männern sowie den Haupt- und Ehrenamtlichen in der Kirche.
In ihrem Rechenschaftsbericht betonte die 65-Jährige die Bedeutung von Transparenz in der Vorstandsarbeit: "Es war mir immer wichtig, dass der Dekanatsrat über die Dinge, mit denen wir uns beschäftigten, informiert wurde." Wenngleich ihre zweite Amtszeit sehr vom Katholikentag geprägt worden sei, hätten ihre besonders kleinere Veranstaltungen, bei denen sie mehr Kontakt zu den Menschen hatte, besonderes am Herzen gelegen. "Aber ich habe jede Herausforderung als Chance gesehen, der Kirche ein Gesicht zu geben und hoffe, dass es ganz gut gelungen ist."
Nach zwei Amtsperioden war Blank gemäß der neuen Satzung für Dekanatsräte, für die sie sich selbst stark gemacht hatte, nicht mehr zur Wahl angetreten. Ein besonderes Dankeschön hatte sie für Dekan Karl Jung parat: "Ein solches Vertrauensverhältnis wie bei uns, gibt es nicht so oft."

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 20.05.2015


Freizeit: Baptistengemeinde bietet Kinderbibelcamp an

Abenteuer im Dschungel

Die Freie Baptistengemeinde Mannheim-Neuostheim bietet wieder ein Kinderbibelcamp an. Motto des Ferienangebots für Kinder von sechs bis zwölf Jahren ist in diesem Jahr das "Abenteuer im Dschungel". Geplant sind vom 30. Juli bis 2. August unter anderem ein Zeltlager, Wasserschlachten, Lagerfeuer, Geländespiele, Grillen, Theater und ein Musikprogramm.

Neben all diesen Programmpunkten will das "Kibicamp" auch ermutigende Worte aus der Bibel bieten, heißt es in der Ankündigung. Kinder ab acht Jahren dürfen vor Ort direkt in den geräumigen Zelten übernachten, Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren noch zu Hause. Für Speis und Trank ist gesorgt. Der Kostenbeitrag pro Familie beläuft sich für ein Kind auf 30 Euro, für das zweite Kind auf 20 Euro und das dritte Kind auf 10 Euro. aki

© Mannheimer Morgen, Freitag, 08.05.2015


Verkehr: Bürger in Sorge vor zunehmendem Bahnlärm / Stadtteile entlang der beiden Riedbahnstrecken besonders betroffen

160 Güterzüge in einer Nacht

Vom Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Martin Tangl

Bürger und Politik befürchten zunehmende Belastungen durch Bahnlärm: Wie hier auf dem Waldhof werden künftig immer mehr Güterzüge auf der Riedbahn durch Mannheim rollen.©  Rittelmann

Die Sorge um zunehmenden Bahnlärm in Mannheim wächst. 160 Güterzüge, vielleicht sogar 200 Lokomotiven mit rumpelnden Waggons könnten künftig pro Nacht über die beiden Riedbahn-Strecken durch die Stadt rollen. Im Schnitt alle drei Minuten ein Zug. Diese Prognose in der Diskussion über eine neue Schnellbahntrasse zwischen Frankfurt und Mannheim (wir berichteten) hat Fachleute, Bürger wie Kommunalpolitiker aufgeschreckt. Dem wichtigen Bahnknoten Mannheim auf der Nord-Süd-Güterzug-Achse zwischen den Seehäfen Genua und Rotterdam drohen unzumutbare Lärmbelastungen. Die Bürgerinitiative "Gesundheit statt Bahnlärm" aus Neuostheim erhält viel Zulauf von betroffenen Mannheimern zwischen Blumenau und Rheinau.

Der Hauptausschuss des Gemeinderates will sich am 12. Mai mit dem Thema ICE-Trasse und Bahnlärm beschäftigen. Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz äußerte sich bereits in der Ausschuss-Sitzung am Dienstagabend: "Der künftigen Güterverkehr kann wegen der drohenden Lärmbelastung nicht allein über das Mannheimer Stadtgebiet auf der östlichen und westlichen Riedbahn abgewickelt werden."

OB-Gespräch mit Bürgerinitiative

In einem Gespräch mit der Neuostheimer Bürgerinitiative hatte Kurz betont, dass in der Region Mannheim bereits zwei Hochspannungstrassen, zwei Eisenbahnlinien und zwei Autobahnen verliefen. Weitere Belastungen seien in einem räumlich größeren Rahmen zu prüfen - von einer linksrheinischen Streckenführung bis zu verschiedenen Bahntrassen rechtsrheinisch. Den Prüfauftrag für ein Umfahrung Mannheims für Güterzüge im neuen Bundesverkehrswegeplan - inklusive Überlegungen für eine Untertunnelung (siehe Grafik) - wiederholte der Oberbürgermeister im Ausschuss. Auch im Kreis Bergstraße ist ein zwölf Kilometer langer Bahntunnel im Raum Lorsch im Gespräch. Geschätzte Kosten des Projekts in einer Machbarkeitsstudie für Südhessen: über 315 Millionen Euro.

Hohe Kosten für einen Tunnel

"Preisgünstig kommt die Bahn auch durch unsere Stadt nicht durch", äußerte sich Kurz zu den Kosten einer möglichen Tunnellösung für Mannheim. Aber für die Quadratestadt müssten die gleichen Maßstäbe gelten wie für andere lärmgeplagte Kommunen - beispielsweise im Streit um den Ausbau der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel. Es könne auch nicht argumentiert werden, die Mannheimer seien im Vergleich zu den Gemeinden im Oberrheintal sowieso an Lärm gewöhnt, also sei ihnen der Güterzugverkehr zuzumuten.

Auch die Parteien im Gemeinderat beschäftigt mittlerweile die Bahnlärm-Problematik. Wolfgang Raufelder, Landtagsabgeordneter und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen: "Wir müssen uns, auch und vor allem im Hinblick auf die für 2016 geplante Öffnung des Gotthard-Basis-Tunnels, dafür einsetzen, so schnell wie möglich Lösungen für die schon heute unter zunehmendem Lärm leidenden Anwohner von Bahnstrecken nicht nur in Mannheim zu finden." Die FDP-Stadträtin Dr. Birgit Reinemund erklärt: "Wir begrüßen ausdrücklich die Einsicht unseres Oberbürgermeisters, dass die erwarteten stark zunehmenden Güterverkehre nicht auf den heutigen Bahntrassen quer durch die Stadt fahren können. Die Lärmbelastung würde unzumutbar steigen für die Menschen von Waldhof über Käfertal, Feudenheim, Neuostheim, Neuhermsheim und Rheinau." Und auch das Umweltforum fordert "die Prüfung von Umfahrungsalternativen für Güterzüge, damit die Menschen in Mannheim so wenig wie möglich durch Bahnlärm beeinträchtigt werden".

"Wir haben durch die Planfeststellungsverfahren für die künftige Trasse Frankfurt-Mannheim die Möglichkeit, auf die Planungen Einfluss zu nehmen", erklärte Kurz im Ausschuss. Mit einem ersten Spatenstich rechne er nicht vor 2025. Fertigstellung der Gesamtstrecke: wahrscheinlich erst in den 2040er Jahren. Trotzdem werde Mannheim schon jetzt Prüfungsaufträge für mögliche Umfahrungen der Güterzüge signalisieren - auch mit Blick auf angrenzende Gemeinden wie Viernheim, Ilvesheim oder Heddesheim. Der Bahn müsse sich dabei klar sein, "dass Infrastruktur heute nicht mehr gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt werden kann", sagte der Mannheimer OB.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 23.04.2015


Neuostheim: Bezirksbeirat erörtert mögliche Zufahrt über den Gartenschauweg zum Sportgelände am Rhein-Neckar-Stadion / Bezirksbeirätin Margit Leser hört auf

Parkplatz der Waldhof-VIPs auch für Vereinssport

Vom Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Martin Tangl

Stadtrat Steffen Ratzel verabschiedet Bezirksbeirätin Margit Leser (Mitglied unseres Vereins).© tan

"Als Bezirksbeirat muss man manchmal dicke Bretter bohren", sagte Margit Leser bei ihrem Abschied nach 17 Jahren aus dem Bezirksbeirat Neuostheim/Neuhermsheim. Doch dann fänden die Stadtteilvertreter, wie jetzt für die Neuordnung des Sportgeländes am Rhein-Neckar-Stadion, ja auch immer wieder praktikable Lösungen.

Um Neuostheim vom Verkehr zu den Sportanlagen zu entlasten, schlägt Ingo Kirrinnis vom Fachbereich "Sport und Freizeit" eine Zufahrt ins Zentrum des Geländes am Luisenpark über den Gartenschauweg und eine Nutzung des VIP-Parkplatzes des SV Waldhof am Carl-Benz-Stadion vor. Trotz einiger Bedenken halten dies die Bezirksbeiräte für eine gute Lösung, damit nicht zu viele Sportler über die Karl-Ladenburg-Straße und das Paul-Martin-Ufer das Gelände anfahren.

Nach dem Wegzug des Universitätssports vom Areal zwischen Theodor-Heuss-Anlage, Neckar und östlicher Riedbahn will die Stadt das Sportgelände neu ordnen. So sollen die Fußballer des FC Türkspor einen Sportplatz bekommen. Auch der Reiterverein und der VfR Mannheim können ihre Anlagen auf dem Gelände erweitern. Dadurch befürchteten die Neuostheimer jedoch mehr Autoverkehr und fordern hier Alternativen. "Noch sind wir hier aber im Planungsverfahren", erläuterte Kirinnis die Pläne der Stadt. Der mögliche Parkplatz mit 75 Stellplätzen liege dann in der Nähe der neuen Umkleidekabinen. "Gut, dass unsere Bedenken bei der Stadt angekommen sind", freute sich Bezirksbeirätin Margot Liebscher (SPD).

Einen Haken hat die Sache: Der für die Vereine geplante Parkplatz ist bei Heimspielen für die VIPs des SV Waldhof reserviert. Auch die Zufahrt ist dann gesperrt. "Da brauchen wir Konfliktlösungen", warnte der Sitzungsleiter im Bezirksbeirat, CDU-Stadtrat Steffen Ratzel. Sein Kollege Dr. Boris Weirauch (SPD) meinte jedoch, dass wohl kaum auf allen Plätzen gleichzeitig Fußballspiele von SVW, VfR und Türkspor stattfinden würden. "Trotzdem muss sich die Stadt da etwas einfallen lassen", forderte VfR-Vorstandsmitglied Friedrich Lutterkort.

Früher mehr Sportler

Kirrinnis sieht die Belegung der Sportplätze jedoch nicht ganz so dramatisch: "An der Situation wie jetzt die Anlagen bespielt werden, wird sich nicht viel ändern. Als die Uni noch hier war, waren deutlich mehr Sportler auf den Anlagen." Margit Leser (Freie Wähler/Mannheimer Liste) wird das politische Geschehen in Neuostheim nur noch von außen betrachten. "Aber ich hab' immer gerne mitgearbeitet", sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Ob beim Neubau der SAP Arena, beim Umbau der Dürerstraße oder dem Entstehen des Gewerbegebietes Eastsite - der Bezirksbeirat habe dabei immer die Interessen der Bürger vertreten.

Besonders stolz ist Margit Leser, auf die neue S-Bahn-Station für die SAP Arena und den Maimarkt. Und dass auch etwas mal nicht durchgesetzt werden kann, sieht sie am geforderten "Ringverkehr" der Stadtbahn-Linie 6. Dass alle Züge von Neuostheim über Maimarkt, SAP Arena bis Neuhermsheim fahren, das konnten die Bezirksbeiräte bis heute nicht durchsetzen.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 25.03.2015




NEUOSTHEIM: Reinigungsaktion des Stadteilvereins / Kritik an Stadtverwaltung und Politik: Zu wenig Müllsäcke und Zangen
Lieber Kampagne statt Putzaktion“


Mehrere 100 Kilogramm Müll wurden im Rahmen der stadtweiten Aktion "Putz Deine Stadt raus" von 70 Helfern gesammelt - Politiker waren nicht dabei.

Die Reinigungsaktion des Stadtteilvereins Neuostheim mit mehr als 70 Helfern war wieder ein voller Erfolg. Mehrere 100 Kilogramm Müll wurden im Rahmen der stadtweiten Aktion "Putz Deine Stadt raus" der Kommune aufgelesen.
Gefunden wurden vor allem viele Getränkeflaschen und -dosen. Besondere Fundstücke waren eine große Styroporkiste mit leeren Glasflaschen, Radkappen, eine Tonbandkassette, ein verpacktes Kondom, ein roter Slip, eine Brille, ein Fahrradreifen und ein Hasenskelett.

Organisation "Katastrophe"
"Wenn ich zu Hause und nicht verreist bin, dann mache ich mit", sagte Prof. Gerhard Racke. Er säuberte das Paul-Martin-Ufer. "Es ist erstaunlich, was man da alles findet, besonders an den Ecken und an der Straßenbahnhaltestelle", meinte er. Auch Olaf Kaschube und sein Sohn Niklas nahmen teil. "Damit die Kleinen merken, dass man Müll nicht einfach wegwirft", sagte der Vater. Den Vorsitzenden Stefan Bickmann freute es, dass wieder so viele Kinder teilnahmen. Kritik äußerte der Vorsitzende an Verwaltung und Kommunalpolitik. Statt Putzaktion sollte die Stadt lieber eine Kampagne gegen das Wegwerfen von Müll ins Leben rufen. (Stefan Bickmann, 1. Vorsitzender: Dies habe ich nicht gesagt. Ich finde die Putzaktion nach wie vor für sehr sinnvoll. Eine Kampagne gegen das Wegwerfen von Müll in die Natur wäre wünschenswert. Man muß die Ursache bekämpfen und nicht die Symptome beseitigen.) Seit sechs Jahren führten sie die Putzaktion in Neuostheim nun mit großer Beteiligung von vielen Kindern und Erwachsenen durch. Leider habe bis auf Luigi Iannuzzi, der Mitglied im Stadtteilverein ist, sich kein weiteres Mitglied des Bezirksbeirats oder des Gemeinderats an der Aktion beteiligt. Außerdem hätte die Stadt viel zu wenige Müllsäcke und nur zehn große Greifzangen und zehn Kinderzangen bereit gestellt, obwohl 60 Teilnehmer angemeldet waren.
"Sollen wir den Dreck auch noch mit den Händen aufheben?" fragte er. Die stadtweite Reinigungsaktion sei zwar schön, aber von der Organisation her eine "Katastrophe". "Außerdem sind die Straßenränder an den öffentlichen Straßen seit einigen Jahren extrem verschmutzt und werden nicht regelmäßig gereinigt," beispielsweise an der Seckenheimer Landstraße oder der B38, bemängelte Bickmann. Er habe deswegen am 15. Februar auch an Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und an Bürgermeisterin Felicitas Kubala geschrieben, aber bis heute keine Antwort erhalten.
Beim abschließenden Helferfest bekam jeder Helfer als Belohnung eine Bratwurst, dazu Brötchen, Kuchen und Teilchen, gespendet von der Bäckerei Grimminger, sowie kalte und warme Getränke. ost

© Mannheimer Morgen, Freitag, 27.03.2015


ZU BERICHT: Evangelische Kita zieht um
Nur Beton und Kommerz im Blick
Von Christoph Bull im Mannheimer Morgen

Gute Nachrichen für die Eltern in Neuostheim": die Kinder des evangelischen Kindergartens müssen von einem weitläufigen, paradiesischen Gelände erst in eine triste zeitweilige Bleibe im Eastsite und dann auf das beengte Gelände des jetzigen katholischen Kindergartens, das viel weniger Platz zum Spielen im Freien bietet, ziehen.

"Gute Nachricht" - das war im Christentum schon mal etwas anderes. Das "zukunftsweisende Projekt" findet auf dem Rücken von Kindern und der evangelischen Gemeinde in Neuostheim statt, und dem Stadtteil wird eine wichtige und prägende Grünfläche weggenommen.
Anstatt vernünftige und zukunftsträchtige Gemeindearbeit zu leisten, setzt die Kirchenleitung auf Beton und Kommerz, denn das Seniorenzentrum auf dem Gelände der Thomaskirche wird vor allem auch aus wirtschaftlichen Gründen gebaut.
Die Stadt Mannheim hilft der maroden Kirche, und der Mannheimer Morgen berichtet konsequent unkritisch weiter. Eine unheilige Liaison.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 20.03.2015


NEUOSTHEIM: Gut besuchte Mitgliederversammlung des Stadtteilvereins / Schulterschluss mit dem Gewerbe vor Ort

Bürger-Appell: „Eastsite darf kein Satellit werden“

In einer harmonischen Mitgliederversammlung des Stadtteilvereins Neuostheim verfolgten knapp 50 Teilnehmer die Berichte des Vorstandes. Doch zunächst stellte sich Bürgerserviceleiter Walter McDavid den Bürgern als Ansprechpartner vor. Die Dienststelle am Gerd-Dehof-Platz sei zwar ein kleiner Servicepunkt, aber mit den gleichen Angeboten wie die großen Bürgerdienste und mit dem Vorteil, dass es hier so gut wie keine Wartezeiten gibt.

McDavid regte außerdem einen engeren Kontakt der Bürger mit dem Bezirksbeirat vor Ort an. Über mangelnde Besucher konnte sich hingegen der Stadtteilverein nicht beklagen. Vorsitzender Stefan Bickmann begrüßte nahezu 50 Mitglieder im gut gefüllten Saal im Casino der Bundeswehrakademie. "Der Verein steht gut da, finanziell und gesellschaftlich", berichtete er stolz. Nach fünf Jahren habe es der Verein geschafft, "fester Bestandteil von Neuostheim" zu werden. Mit derzeit 295 Mitgliedern sei auch das Ziel von 300 Mitgliedern so gut wie erreicht.

Doch das ist für den Vorstand kein Grund, sich zurückzulehnen. "Je mehr umso besser", lautet die Devise. Damit der liebenswerte Stadtteil liebenswert bleibt, will man weiter auf Sauberkeit achten. Der Stadtteilverein lädt ein zur nächsten Putzaktion, am Samstag, 21. März, ab 10 Uhr. Fleißige Helfer werden beim anschließenden Helferfest belohnt mit Speis und Trank. Auch für den Action Point beim Marathon am 9. Mai werden noch Mitstreiter gesucht. Der Erlös kommt wieder guten Zwecken zugute. So konnte im vergangenen Jahr die Aktion des Mannheimer Morgen "Wir wollen helfen" mit 800 Euro bedacht werden. Die Carl-Drais-Schule (früher: Sema Schule) konnte sich über eine Spende von 400 Euro für ihren neuen Anbau freuen.

Außerdem finanzierte der Stadtteilverein mit 1500 Euro eine Stadttafel, erstellt in Kooperation mit dem Stadtarchiv (wir berichteten). Der Verein will die Kommunikation im Stadtteil weiter voranbringen und die Integration von neu hinzugezogenen Bürgern fördern.

Anliegen des Vorstandes ist es auch, das Miteinander von Bürgern und Gewerbetreibenden zu fördern. Nach Fertigstellung von Eastsite werden dort 4500 Menschen arbeiten. "Eastsite darf kein Satellit werden", so der Vorsitzende. Damit beide voneinander profitieren, will man rechtzeitig eine Verbindung herstellen. ost

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 18.03.2015



NEUOSTHEIM: Bauantrag für die Übergangslösung im Gewerbegebiet ist gestellt Planungen rund um Thomaskirche schreiten voran

Evangelische Kita zieht ins Gewerbegebiet

Vom Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Anke Philipp


Auf diesem Gelände am Konrad-Zuse-Ring wird
die evangelische Kindertagesstätte vorübergehend ausgelagert.

Gute Nachrichten für die Eltern in Neuostheim: Der Bauantrag für die Auslagerung der evangelischen Kindertagesstätte an der Dürerstraße ins benachbarte Gewerbegebiet Eastsite ist gestellt. Dies teilte das Dekanat auf Anfrage unserer Zeitung mit. Wie berichtet, ist die Zwischenlösung am Konrad-Zuse-Ring nötig, und zwar solange bis die neue ökumenische Kindertagesstätte auf dem Gelände der katholischen St. Pius-Gemeinde fertig gebaut ist.

Bis dahin werden die Kinder im Eastsite in Pavillons untergebracht. Dieser von den Eltern geforderte Umzug innerhalb des Stadtteils wurde aufgrund einer Kooperation mit der B.A.U. Bauträgergesellschaft mbH & Co. KG möglich, die ein Gelände im Eastsite vorübergehend zur Verfügung stellte. Geplant ist laut Dekanat, dort alle angemeldeten Kinder unterzubringen: Das entspreche der jetzigen Größe und sei demnach für zwei Gruppen dimensioniert, so die Auskunft.

Auch in den Neubau einer ökumenischen Kindertagesstätte in St. Pius kommt Bewegung: Die baulichen Voraussetzungen seien mittlerweile geklärt: "Derzeit wird vom Architekten der Bauantrag erarbeitet, der dann in Kürze gestellt wird", so Dekanatsprecherin Kirsten de Vos. Die Stadt bezuschusst die insgesamt 2,37 Millionen Euro teure Tageseinrichtung für Kinder (mit vier Kindergartengruppen auf dem Gelände der katholischen St. Pius-Gemeinde) mit 1,66 Millionen Euro. Das hat der Hauptausschuss des Gemeinderates 2014 beschlossen.

"Zukunftsweisendes Projekt"
Zur Erinnerung: Seit 2013 planen evangelische und katholische Kirche konkret einen gemeinsamen Neubau in St. Pius anstelle der beiden sanierungsbedürftigen Altbauten. Die Evangelische Kirche Mannheim will auf dem freiwerdenden Gelände der Thomaskirche nach Abriss der Kita an der Dürerstraße zügig ein Seniorenzentrum errichten. Gegen die notwendige zeitweise Auslagerung der Kinderbetreuung in andere Stadtteile waren die Eltern lange Sturm gelaufen, hatten 450 Unterschriften gegen das Vorhaben der Evangelischen Kirche Mannheim ins Feld geführt. Mit Erfolg. Nach Verhandlungen und Dank der Kooperation mit der B.A.U. Bauträgergesellschaft wurde die Zwischenlösung im Eastsite möglich.

Insgesamt "ist das ökumenische Projekt in Neuostheim vielschichtig und zukunftsweisend. Es wird mit Beharrlichkeit und langem Atem geplant", freut sich Dekan Ralph Hartmann, "dass nun auf grundlegende Entscheidungen bald auch die sichtbaren Schritte folgen." Auch die Planungen rund um die Thomaskirche schreiten voran, kündigt Hartmann an: Im Sommer wird es eine Infoveranstaltung für die Öffentlichkeit geben.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 18.03.2015


NEUOSTHEIM: Initiative will Wohngebiete von Auswirkungen des Bahnverkehrs entlasten / Tunnel-“Bypass“ wäre eine Lösung
Angst vor Lärm der Güterzüge

Vom Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Martin Tangl


Initiative gegen Bahnlärm und für einen Güterzug-"Bypass": Norbert Jäger, Martin Steinbrenner, Dr. Jürgen Kuhn und Gunther Mair (v.l.n.r.)©  tan

Sie wollen Mannheim wachrütteln - bevor es der Lärm vorbeiratternder Güterzüge tut. Die Neuostheimer Gunther Mair, Norbert Jäger, Martin Steinbrenner und Dr. Jürgen Kuhn starten einen erneuten Versuch, eine Diskussion über einen Eisenbahn- "Bypass" an Mannheim vorbei speziell für Güterzüge auf die Tagesordnung von Politik und Stadtgesellschaft zu setzen. "Und mit Bypass meinen wir nicht die östliche Riedbahn", betont Jäger. Klar ist den Vier im Gespräch mit unserer Zeitung: "Mannheim ist und bleibt ein zentraler ICE-Knoten im Fernverkehr!"
 
Der Plan der Bürgerinitiative am Riedbahndamm aus der Karl-Ladenburg-Straße ist eine etwa zehn Kilometer lange Tunnellösung für den Güterzugverkehr zwischen Viernheim und Rheinau (siehe Grafik) - wohl wissend, dass so ein gewaltiges Projekt langfristig geplant werden muss und wohl über eine Milliarde Euro kosten könnte. "Aber für andere Städte werden solche Summen ausgegeben", erinnert Gunther Mair an geplante Tunnelbauten auf der Rheinschiene in Offenburg und Rastatt. "Dafür haben die Bürger dort lange gekämpft. Nur Mannheim besteht seit Jahren darauf, dass alle Züge mitten durch die Stadt fahren. Keiner rührt sich bei uns, wenn der Güterverkehr einfach durch die Stadt knattert. Anderswo ist die Gesundheit der Bürger diesen Preis wert", ergänzt Jürgen Kuhn.

BAHNLÄRM DURCH GÜTERZÜGE
Der Bahnknoten Mannheim liegt auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Güterzug-Achsen zwischen den Seehäfen Rotterdam und Genua.
Im Raum Mannheim sind im Moment für die Eisenbahn "Mischverkehre" vorgesehen: tagsüber vorzugsweise Personenfernverkehr, nachts Güterzugverkehr.
In der "Korridorstudie" ist festgelegt, dass die Kapazität der geplanten Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim im "Nachtfenster" auf 160 bis 200 Güterzüge zwischen 22 und 6 Uhr ausgelegt sein soll.
Die Neubaustrecke soll nördlich von Mannheim in die Riedbahn "eingeschleift" werden. Der Eisenbahnverkehr soll dann über die westliche und östliche Riedbahn durchs Stadtgebiet geleitet werden.
Ein "Bypass" für Güterzüge, wie ihn die Bürgerinitiative vorschlägt, wird vom Planungsausschuss der Korridorstudie "nicht weiterempfohlen".
Im Kampf gegen "krankmachenden Bahnlärm" könnte nach Ansicht eines Gesundheitsexperten noch viel mehr als bislang getan werden. Es seien noch nicht alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft, erklärte der Bremer Gesundheitsökonom Eberhard Greiser jetzt in Mainz.
Im besonders lärmgeplagten Mittelrheintal fürchtet Greiser jedoch, dass eine umfangreichere Lösung hermüsse - "eventuell eine Verlegung der Strecke für Güterzüge".
Homepage der Neuostheimer Initiative: www.gesundheit-statt-bahnlärm-in-mannheim.de

OB kurz will Umfahrung prüfen
Oberbürgermeister Peter Kurz reagiert auf "MM"-Anfrage im Vorfeld des ICE-Forums am Donnerstag auf die Forderungen aus Neuostheim: "Eine Güterverkehrsumfahrung muss seriös geprüft werden. Das wird morgen unsere Forderung sein. Schon bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse der Korridorstudie im Sommer 2014 haben wir die Forderung nach adäquaten und sinnvollen Lärmschutzmaßnahmen in den Vordergrund gestellt, denn die Konzeption einer Bahnstrecke für Mischverkehre hat die Situation grundsätzlich verändert."
Steinbrenner betont: "Der künftige Transitverkehr der Güterzüge ist auch kein Neuostheimer Thema, sondern geht alle Stadtteile an, von der Blumenau über Käfertal bis Rheinau. Soll Mannheim vielleicht die Lärmhauptstadt Europas werden?" Zudem transportieren Güterzüge häufig gefährliche Stoffe - und das dann mitten durch die Stadt.
Im Zentrum des Schienennetzes
Europaweit stimmen die Verkehrsexperten überein, dass künftig auf der Achse zwischen Genua und Rotterdam immer mehr Güterzüge rollen werden. Auch weil in der Schweiz die Eröffnung des 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnels ansteht. Und mitten im europäischen Schienennetz liegt Mannheim. Die Neuostheimer rechnen mit mindestens 160 Güterzügen, die dann jede Nacht über die östliche Riedbahn an der Wohnbebauung vorbeifahren werden: "Alle drei Minuten ein Zug!" Auch im baden-württembergischen Verkehrsministerium fragt sich Minister Winfried Hermann (Grüne): "Ob die östliche Riedbahn die in der Korridorstudie unterstellte nächtliche Zugmenge von 200 Güterzügen überhaupt aufnehmen kann?" Eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums dazu stehe noch aus.
"Alle diese Züge sollen sich durch das Nadelöhr Mannheim quetschen?", fragt sich Jäger - und schüttelt den Kopf. Das werde zu Lasten des Fernverkehrs und des öffentlichen Nahverkehrs gehen: "Die Kapazitäten auf der Schiene sind jetzt schon nicht ausreichend." Auch die Wiederinbetriebnahme des zweiten Gleises auf der östlichen Riedbahn werde dieses Problem dauerhaft nicht lösen. Die Lärmschutzwand, die Neuostheim versprochen wurde, bringe auch nicht viel Entlastung.
Mit Flyern und Plakaten will die Bürgerinitiative jetzt für den Güterzug-"Bypass" werben. Auch eine Unterschriften-Aktion über eine Online-Petition wurde ins Leben gerufen. "Es soll kein Strohfeuer werden", sagt Gunther Mair. Den Vier ist klar, dass sie ein langfristiges Projekt anstoßen wollen. "Dann haben halt unsere Enkel etwas vom Bypass für den Güterzugverkehr", sagt Jäger.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 11.03.2015



TOURISMUS: Stadt favorisiert Stellplatz im Gewerbegebiet Mühlfeld in Neuostheim / Sport- und Freizeitausschuss berät heute
Hafen für Wohnmobile geplant
Vom Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Martin Tangl



Ein Schrebergarten müsste für den von der Stadt favorisierten Wohnmobil-Standort im Gewerbegebiet Mühlfeld in Neuostheim weichen.

Der Pachtvertrag für den Campingplatz in Neuostheim soll am 31. Dezember 2015 auslaufen. Im Gegenzug plant die Stadt einen Wohnmobilstellplatz auf einem Geländestreifen am Hans-Thoma-Weg. Der Sport- und Freizeitauschuss des Gemeinderates wird dazu heute auf Antrag der SPD und der Grünen über ein neues Campingplatzkonzept für Mannheim beraten. Außerdem soll ermittelt werden, was der geplante Stellplatz für Reisemobile kosten könnte. Das Grundstück gehört der Stadt, allerdings ist etwa ein Viertel des Areals als Schrebergarten mit Gartenlaube verpachtet. "Sollte der Wohnmobilstellplatz dort umgesetzt werden, müsste der Pachtvertrag gekündigt werden. Das ist kurzfristig möglich", so die Auskunft aus dem Rathaus.
 
SAP Arena beliebtes Ziel
Immer wieder suchen Wohnmobilisten nach Stellplätzen in Mannheim. Sportveranstaltungen und Konzerte in der SAP Arena ziehen regelmäßig Reisende mit fahrbarem Eigenheim an. Aber auch der Maimarkt, der Luisenpark, die Museen und die Innenstadt sind nach Angaben der Stadt Ziele, die gerne von Wohnmobilern angefahren werden. Weil es bislang keinen ausgewiesenen Wohnmobil-Hafen in Mannheim gibt, werden die Fahrzeuge oft auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt, zum Beispiel auf dem Friedensplatz am Technoseum, auf dem Busparkplatz an der Museumsstraße oder auf dem Neuen Meßplatz. "Um die Attraktivität Mannheims für den immer größer werdenden Kreis der Wohnmobiler zu erhöhen und den Wegfall der Stellplätze auf dem bisherigen Campingplatz in Neupostheim insbesondere auch zur Maimarktzeit zu kompensieren, soll an geeigneter Stelle im Stadtgebiet eine Wohnmobil-Stellplatzanlage für Durchgangsnutzer gebaut werden", so die Information an den Sportausschuss. Gegen ein "angemessenes Entgelt" sollen dann die Reisemobil-Touristen auf einem beschrankten Gelände mit Stromanschluss für jedes Fahrzeug sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen in Mannheim Station machen können. Fünf Standorte hat hat das Baudezernat überprüft - und sich für das Gelände an der Hans-Thoma-Straße östliche des B&B-Hotels als möglichen Standort entschieden. Der Bezirksbeirat Neuostheim reagiert jedoch "verschnupft", wie Andreas Schöber (Grüne) erklärt. Die Vertreter des Stadteil-Gremiums sollten heute im Ausschuss gehört werden. "Doch wir hatten nur zwei Tage Vorlauf", kritisiert Schöber die zu späte Information seiner Kollegen im Stadtteil. Also werde man sich zum Standort jetzt noch nicht äußern sondern das Gesamtthema Hans-Thoma-Straße samt Wohnmobil-Stellplatz in der Bezirksbeiratssitzung im Juli erörtern.
Im Sport- und Freizeitausschuss schlägt Bürgermeister Lothar Quast außerdem vor, den Campingplatz am Neckar in Neuostheim zum Jahresende aufzugeben. Nach einem Brand in der Silvesternacht könne das Gelände in der Saison 2015 für den "Durchgangscampingbetrieb" nicht mehr eröffnet werden und stehe deshalb Reisenden nicht mehr zur Verfügung. Die Dauercamper in ihren Wohnwagen können noch bis Ende 2015 bleiben. Das Areal soll dann nach Auslaufen des Pachtvertrags im kommenden Jahr zurückgebaut werden. Der beliebte Radweg zwischen Neuostheim und Seckenheim bleibt.
Schwerpunkt Strandbad
"Da Mannheim nur begrenzt Mittel für Investitionen auf den Campingplätzen der Stadt zur Verfügung stehen, sollten diese Mittel genutzt werden, um sich voll und ganz auf den Platz am Strandbad in Neckarau zu konzentrieren und diesen aufzuwerten", erklärt der Bürgermeister. Im Mannheimer Süden betreibt der Verein "Campingfreunde Strandbad Neckarau" als Pächter das Areal. Als Eigentümerin beabsichtigt die Stadt, am Rhein einen hochwassserfesten und rollstuhlgeeigneten Neubau anstelle des alten Camping-/Kioskgebäudes zu errichten.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 26.02.2015



NEUOSTHEIM: 200 kleine Narren bei der Kinderfasnacht der KJG und des Horts an der Johann-Peter-Hebel-Schule
Zirkus voll kleiner und großer Narren



Bei der KJG-Kinderfasnacht tummeln sich Tiger, Spiderman und Dinosaurier im brechend vollen Gemeindesaal von St. Pius.

"Vorhang auf, Manege frei!" hieß es am Fasnachtssamstag im Gemeindesaal von St. Pius. Die KJG St. Peter hatte in Kooperation mit dem Hort an der Johann-Peter-Hebel-Schule zur "Kinderfasnacht im Zirkus" eingeladen.
 
Früher fand die beliebte Kinderfasnacht in der Auburg von St. Peter statt, erzählte Hortleiterin Ute Schnitzer. Seit dem Umbau des Gemeindehauses der katholischen Kirche in der Schwetzingerstadt vor drei Jahren zu einem Kinderhaus findet die traditionelle Kinderfasnacht in St. Pius in Neuostheim statt. Um den Saal voll zu kriegen, habe der Hort auf eine eigene Fasnachtsveranstaltung verzichtet, sagte Schnitzer.
Mit mehr als 200 kleinen und großen Gästen war der Saal dann brechend voll. Kinder wuselten herum, Luftballons und Luftschlangen waren überall verteilt. Und alle waren gekommen: Minnie-Maus und Pippi Langstrumpf, Graf Dracula, Engel, Teufel, Clown, Prinzessinnen und Cowboys. Dazu Tiere, die weit mehr als eine Arche Noah gefüllt hätten. Die Kinder von Sarita Sunkara aus der Schwetzingerstadt und ihren Freunden waren als Tiger, Dinosaurier und Spiderman verkleidet. Sie stammten aus Indien und erlebten erstmals Fasnacht in Deutschland. "Die Atmosphäre gefällt mir und auch was dargeboten wird", sagte Sarita Sunkara.
Unter dem Motto "Kinderfasnacht im Zirkus" hatten sich KJG und Hort einiges einfallen lassen, um ein kurzweiliges und kindgerechtes Programm zusammenzustellen. Mit viel Leidenschaft, Herz und Frohsinn gestalteten die Fasnachtsfreunde einen bunten Nachmittag mit Eierlaufen, Luftballontanz und Klammerspiel. Hannah und Leah Weisbrodt von der KJG zeigten auf Einrädern eine perfekte Schau. Die Hortkinder begeisterten mit einem Cheerleader-Tanz.
"Jetzt geht sie los die Polonaise" - fröhlich singend zogen kleine und große Narren vergnügt durch den Saal. Das Stadtprinzenpaar kam auch dazu: Nadine I. und Alexander I., der seinen Zivildienst an St. Peter absolviert hat, tanzten mit den Kindern das "Flieger"-Lied. "Heut' ist so ein schöner Tag" sangen die Kinder. Und ihre Eltern stimmten gerne mit ein.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 18.02.2015


Neuostheim: Jugendtheatergruppe von St. Pius begeistert mit dem Stück Traumpaar / Gemeindesaal voll besetzt

Kinder in Zeiten des Rosenkriegs

Vom Mannheimer Morgen Redaktionsmitglied Bettina Henkelmann

Das alles sei ja so authentisch gewesen, als wäre es zuhause in seinem Wohnzimmer passiert, meint ein Mann voll Bewunderung. Er gehört zu den Zuschauern, die allesamt kurz zuvor der Jugendtheatergruppe von St. Pius für die Premiere ihrer neuesten Produktion "Traumpaar" von Zoran Drvenkar im bis auf den letzten Platz besetzten Pfarrsaal in Neuostheim minutenlangen Beifall gespendet haben.

Die Handlung ist kurz erzählt: Für den 15-jährigen Ricki (Johannes Lindner) ist das Leben gerade fürchterlich anstrengend. Seine Eltern, die einst als Traumpaar galten, befinden sich in einem Rosenkrieg. Die Mutter (Nancy Schan) hat die Familie verlassen, nachdem der Vater (Manuel Uphoff) ihr erklärte, dass er sie nicht mehr liebe. "Wenn dein Alter bloß den Mund gehalten hätte. Ich meine, was ist denn schon Liebe? Das passiert jedem, das ist doch kein Grund, sich scheiden zu lassen", zeigt Daniel (Johannes Kinzig) sein Mitgefühl. Er ist Rickis bester Freund und kann es nicht verstehen, dass dieser mit dem Vater und seiner 18-jährigen Schwester Natalie (Aylin Hardtke) nach dem Scheidungsprozess wegziehen wird: "Du wirst mir fehlen. Und Cindy natürlich auch."

Mit der gutaussehenden Cindy (Lara Kreidermacher) teilt Ricki sich den elterlichen Dachboden. Bei ihr fühlt er sich angenommen und geborgen. Nur wenn er mit ihr spricht, stottert er nicht. Sie wird ihn auch nicht verlassen, denn Cindy ist eine Schaufensterpuppe.

Ihretwegen möchte Ricki trotz der Entfremdung bei der Mutter bleiben, die das Haus bekommt. Doch Natalie, die ihren Kummer mit scheinbarer Coolness überspielt, will davon nichts wissen. "Das Letzte wäre, hierzubleiben und sich mit dieser Hexe das Haus zu teilen", entgegnet sie ihm.

Kompliment für die Truppe

Hervorragend verkörpern die Jugendlichen ihre Rollen. Allen voran Lara Kreidermacher, die als äußerlich starre Schaufensterpuppe doch viel Lebendiges in sich birgt und Ricki am Schluss einen guten Rat mit auf den Weg gibt. Neben ihr brillieren Johannes Linder, der für seinen Part stottern lernte, sowie Manuel Uphoff und Nancy Schan als die Eltern. Ebenso ist Johannes Kinzig zu nennen. Er hat innerhalb eines Tages die Rolle des Daniel einstudiert, um für den erkrankten Benni Schan einzuspringen. Zwischen 15 und 21 Jahren sind die zehn Laienschauspieler, die sich seit fast einem Jahr auf die Aufführung vorbereitet haben. Eigentlich ist der Begriff "Laienschauspieler" die falsche Bezeichnung für die Jugendlichen, die sich unter der einfühlsamen Leitung von Thomas Kreidermacher in den fünf Jahren seit ihrer Gründung eine professionelle Spielweise angeeignet haben.

Komplimente aber gibt dieser sofort an seine Truppe weiter. Die sei extrem motiviert, kritikfähig und probe bis zum Umfallen. "Und wir haben viel Spaß und lachen sehr viel", betont Kreidermacher.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 06.02.2015


KRIMINALITÄT: Nach der Einbruch-Serie in der Neujahrsnacht setzt die Polizei auf Prävention / Großer Andrang der Bürger bei der Beratung in Neuostheim
Fast jeder kennt ein Einbruchsopfer

Mannheimer Morgen 16.01.2015, Redaktionsmitglied Roger Scholl



Elf Einbrüche in der Neujahrsnacht, und alle in Neuostheim, in der Oststadt und in der Schwetzingerstadt. Schmuck, Bargeld, Kameras für mehrere zig-Tausend Euro - alles weg. Kein Wunder, dass sich die Menschen in diesen Stadtteilen da Sorgen machen. Und manche haben sogar richtig Angst. Angst davor, dass ihr Haus, das nächste sein wird, das die Täter heimsuchen. Dass Fremde in ihr engstes Umfeld eindringen, dass sie in ihren Sachen herumwühlen, ihnen Dinge stehlen, die keine Versicherung mehr ersetzen kann. Doch wie ka
nn man sich schützen? Eine Frage, die Nicole Knies und Andreas Intze vom Oststadt-Revier der Polizei gestern in der Neuostheimer Dürerstraße beantworteten. Wir waren dabei und hörten uns die Geschichten der Menschen an - fast alle handeln von unliebsamen Erlebnissen im Viertel.

Es passiert im Nebenhaus
Zum Beispiel diese: "Vor ein paar Wochen ist es bei uns in der Nachbarschaft passiert", sagt ein älterer Neuostheimer, "das übernächste Haus, das war morgens um elf, die Leute waren nur rasch einkaufen". Die Täter seien über den Zaun gestiegen und hätten ein Fenster aufgebrochen - "die haben die Lage bestimmt vorher ausbaldowert. Alles war durchwühlt, die armen Leute".

TIPPS GEGEN EINBRECHER

Unbedingt immer Türen und Fenster schließen, wenn man das Haus verlässt. Vorsicht! Gekippte Fenster sind von Einbrechern leicht zu öffnen.
Niemals Schlüssel draußen verstecken. Beim Verlust von Schlüsseln sofort Schließzylinder auswechseln.
Keine Hinweise auf Abwesenheit geben. Rollläden sollten keinesfalls tagsüber geschlossen werden!
Einbrecher kommen oft auch tagsüber, wenn üblicherweise niemand zu Hause ist.


Die Beratungsstelle der Polizei kommt kostenlos bei Bürgern vorbei.
Termine kann man unter Tel. 0621/174-1212 ausmachen.

Andreas Intze vom Präventionsdienst des Reviers kennt diese Geschichten, "wir sind hier, damit die Bürger sehen, dass wir ihre Sorgen ernst nehmen. Und wir geben Tipps, wie sie ihr Haus, ihre Wohnung sicherer machen können". Eine junge Frau ist dankbar für die Präsenz der Beamten: "Wir hatten neulich Einbruchspuren an der Haustür, die Polizei ist sofort gekommen. In wenigen Wochen ist neben uns dreimal eingebrochen worden". Angst habe sie nicht, "aber man muss sich schützen, muss auch auf Nachbarhäuser achten, wachsam sein".
Wachsam wie dieser Hausbesitzer: "Wir wohnen hier ganz in der Nähe, neulich habe ich zwei junge Männer beobachtet, die Häuser mit ihren Handys fotografiert haben". Er habe sofort die 110 angerufen - "Ihre Kollegen waren wirklich schnell da", sagt er zu Nicole Knies. Die bestärkt ihn und die Umstehenden: "Scheuen Sie sich nicht, rufen Sie die 110, wir sind für jeden Hinweis dankbar".
Ein jüngerer Neuostheimer spricht ganz offen über seine Angst: "Ich bin oft unterwegs, meine Frau und die Kinder sind dann alleine zu Hause. Sind die Einbrecher gewalttätig?", will er von Intze wissen: "Nein, das kommt nur sehr selten vor", beruhigt der Polizeikommissar den Familienvater. Und er gibt auch gleich Verhaltenstipps: "Die Täter nicht festhalten, lieber aus sicherer Entfernung Handy-Bilder machen und uns sofort anrufen".
Und immer wieder wollen die Bürger wissen, wie sie ihre vier Wände vor den Einbrechern schützen können. Intze und seine Kollegin Knies verweisen dann an die Beratungsstelle. Deren Leiter Martin Boll schaut später sogar selbst vorbei: "Einfach uns anrufen, wir kommen zu Ihnen und beraten kostenlos und produktneutral."
"Ich finde das so toll, dass Sie heute hier sind", lobt eine ältere Dame die Polizisten. "Aber ist es nicht furchtbar, dass man jetzt so misstrauisch sein muss. . .?"
© Mannheimer Morgen, Freitag, 16.01.2015


KRIMINALITÄT: Taten konzentrieren sich auf die Stadtteile Neuostheim, Oststadt und Schwetzingerstadt / Polizei klärt vor Ort Bürger über wirksamen Schutz auf

Elf Wohnungseinbrüche in der Neujahrsnacht



ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein vermummter Einbrecher mit Taschenlampe schaut durch ein Fenster in eine Wohnung, aufgenommen am 25.11.2011. In Deutschland findet alle zwei Minuten ein Einbruch statt. Um solchen Taten während des Urlaubs vorzubeugen, hilft vor allem eins: Anwesenheit vortäuschen. Foto: Andreas Gebert/dpa

So etwas hatten wir hier noch nie: Nach Recherchen des "Mannheimer Morgen" sind allein in der Neujahrsnacht in Neuostheim, der Oststadt und der Schwetzingerstadt elf Häuser und Wohnungen aufgebrochen worden. Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach den Tätern - und sie geht mit ihren Beamten in die betroffenen Stadtteile, um die Bürger über einen besseren Einbruchschutz zu informieren.

Die Böller krachen, es sind viele fremde Menschen auf den Straßen unterwegs, und oft feiert man gerade in dieser Nacht bei Freunden oder Verwandten: "Günstige" Voraussetzungen für die Kriminellen. Polizeisprecher Dieter Klumpp: "Die Geräusche, die bei einem Einbruch entstehen, gehen da im Feuerwerkslärm unter". Zum anderen fallen Fremde, die sich mitten in der Nacht auf der Straße herumtreiben, gar nicht auf unter den vielen Feiernden. Und die Täter können davon ausgehen, dass etliche Häuser und Wohnungen leer sind, dass die Eigentümer eingeladen sind oder im Restaurant ins neue Jahr hinübertanzen. Alles Umstände, die sich die Einbrecher zunutze gemacht haben.
"Wir hatten elf Taten in der Neujahrsnacht - so viele wie noch nie zuvor." Der Schwerpunkt liege eindeutig in der Oststadt, in der Schwetzingerstadt und in Neuostheim. Bei den meisten Einbrüchen gelangten die Unbekannten über die Terrassentür in die Häuser, die Beute: Schmuck, Bares, Computer, Kameras - mehrere Zigtausend Euro. Ob eine einzige Tätergruppe am Werk war, wissen die Experten der Kripo noch nicht: "Aufgehebelte Türen im rückwärtigen Bereich von Häusern - das ist Standard, keine spezielle Handschrift", weiß Klumpp.
Damit die Häuser besser geschützt werden, gehen die Experten jetzt auf die Bürger zu: "Wir informieren in den Stadtteilen dort, und jeder kann selbstverständlich auch unsere Beratung nutzen. Die Kollegen kommen gerne kostenlos zu den Bürgern nach Hause." scho

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 15.01.2015