Kultur regional:
Mannheimer Ex-Stadträtin schreibt Krimi

In der Praxis von Monika Klein klingelt das Telefon. Am anderen Ende ist Luise Rinnstein. So beginnt eine Geschichte zwischen der Therapeutin und der alten Dame. Jacob Rinnstein, ehemaliger Inhaber eines Schuhgeschäftes und Kunstmäzen, ist verschwunden. Da die Polizei die Sorgen der mehr als 80 Jahre alten Ehefrau nicht ernst nimmt, will Luise Rinnstein die Psychologin Klein auf detektivische Suche schicken.

Wer sich nun eine Kriminalgeschichte erhofft, den führt die Autorin Ulrike Thomas auf eine andere Spur. "Der fehlende Mann" ist ein Roman, der mehr bietet als die Fahndung nach dem Herrn. Die Autorin, promovierte Psychologin und Ex-Grünen-Stadträtin in Mannheim, lenkt ihren Blick auf die Rolle der Frauen. Und wie klug sich Luise Rinnstein aus der anerzogenen Lebensstellung befreit, ist am überraschend launigen Ende zu erfahren.

Viel Lokalkolorit

Aber Monika Klein hat ebenso Probleme. Nicht nur, dass sie sich über die großstädtische Anonymität wundert, in der ein Mensch "verschwinden" kann, auch sie selbst nimmt weder ihre Person noch das enge soziale Umfeld ernsthaft wahr. Der Therapeutin wird bewusst, dass ihr Lebensgefährte Albert geradeso zum Wohnungsinhalt gehört wie sie selbst. Doch die 50-Jährige sucht erst nach Lösungen, als Albert sich zu entziehen und zu "fehlen" droht.

Mit ihm als Stadtrat und dem schmalen Handlungsstrang, dass Jacob Rinnstein sich als Mannheimer Kunstmäzen einen Namen machen will, schiebt die Autorin Lokalkolorit ein. Ironisch blickt sie nicht nur auf die Arbeit des Rats, auch auf Kollegen im medizinischen Bereich, die Medien oder auf gesellschaftliche Belange, die die Ich-Erzählerin Monika Klein in Wallung bringen. Das mag polarisieren. Aber wer darüber hinwegschaut, wird sich vom flotten Erzählstil gewinnen lassen. (köst)

"Der fehlende Mann." Books on Demand, 208 S., 10 Euro.

© Mannheimer Morgen, Montag, 12.12.2016
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Neuostheim: Lebendiger Adventskalender gestartet

Türen öffnen für schöne Begegnungen

© ost

Die Chorspatzen.

Auf der Tür von St. Pius leuchtet in weißer Farbe die Ziffer "Eins". "Seht die gute Zeit ist nah", sangen die Kinder. Mit dem Auftritt der Chorspatzen von St. Pius am 1. Dezember vor der Tür der katholischen Kirche in Neuostheim startete der achte "Lebendige Adventskalender" in Neuostheim und Neuhermsheim.

Nach weiteren fröhlichen Weihnachtsliedern öffneten sich die Türen des innen beleuchteten Gotteshauses. Fleißige Helfer schenkten Glühwein und Kinderpunsch aus und verteilten Plätzchen. Bei dem stimmungsvollen Treffen konnte Chorleiter Bernhard Lindner mehr als 80 kleine und große Stadtteilbewohner begrüßen. "Adventskalender gibt es viele, aber keiner ist so wie der Lebendige Adventskalender, der die Menschen in Neuostheim und Neuhermsheim miteinander verbindet. Bewusst wollen die katholische St. Pius Gemeinde und die evangelische Thomasgemeinde in der Adventszeit all dem Rummel für eine kurze Zeit entfliehen", erklärte Chorleiter Lindner. Dazu biete der "Lebendige Adventskalender", gestaltet von verschiedenen Gemeindemitgliedern, Gelegenheit.

Jeden Tag woanders

Herzlich laden die beiden Gemeinden als Zeichen einer guten und gewachsenen Ökumene dazu ein, jeden Tag ein anderes Fenster oder eine andere Tür in ihrer Nachbarschaft zu entdecken, um den Advent zu erleben. "Es ist schön, an jedem Tag in der stimmungsvollen Vorweihnachtszeit woanders in der Gemeinde zu sein", sagte Gudrun Fasol. Die 76-Jährige nimmt jedes Jahr an der Aktion teil und freut sich über das Beisammensein mit Freunden und Nachbarn. Gastgeber aus den beiden Gemeinden schmücken dazu ein Fenster oder eine Tür mit der Ziffer des Tages, an dem sie zu sich einladen.

Für etwa eine halbe Stunde treffen sich dort die Bürger zum adventlichen Innehalten. Der Gastgeber bereitet eine Geschichte, ein Gedicht oder einfach ein paar Gedanken zum Tag vor. Nicht selten werden dabei Lieder gesungen, und falls der Gastgeber sich dazu entschließt, gibt es einen kleinen Umtrunk mit Gebäck. Die Liste der Gastgeber finden Teilnehmer im Schaukasten der Gemeinden, oder sie machen sich einfach auf die Suche im Stadtteil. Die Treffen sind jeweils 18 Uhr beim "Gastgeber des Tages". Am 24. Dezember öffnete sich die letzte Tür am Evangelischen Gemeindezentrum in Neuhermsheim. ost

© Mannheimer Morgen, Freitag, 09.12.2016
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Neuostheim:
Premiere von „Grimms Märchenspuk“ in St. Pius

Riesenspaß für Groß und Klein

© bh

Akteure der Kindertheatergruppe St. Pius im Gemeindesaal.

Was tun, wenn einem die eigenen Geschöpfe auf dem Kopf herumtanzen? Guter Rat ist bei den Gebrüdern Grimm gefragt, denn Rapunzel, Rotkäppchen, Froschkönig und Co. bringen die beiden mit ihren "Zickereien" schier zur Verzweiflung. "Grimms Märchenspuk" heißt das heitere Stück von Dieter Bauer, das in Szene gesetzt von den Akteuren der Kindertheatergruppe St. Pius, jetzt im Gemeindesaal der Pfarrei in Neuostheim Premiere feierte.

"Onkel Wilhelm, das Rumpelstilzchen zankt mich immer. Es sagt, es möchte mich auch mal fressen, nicht nur der Wolf": Mit diesen Worten stürmt Rotkäppchen (Miriam Zimmermann) in die Schreibstube von Jakob (Emma Schmid), Wilhelm (Hannah Lindner) und der kleinen Schreibfee (Louise Nasinski). Angetan mit einer schwarzen Lederjacke und engen Röhrenjeans mit Rissen, erinnert wenig sie an das bescheidene Mädchen, das seiner Großmutter Kuchen und Wein bringt.

Auch der Froschkönig (Duwayne Lamonaca) ist auf Krawall gebürstet. Wütend stampft er mit seinen Schwimm-Füßen auf den Boden und quakt: "Ich will nicht mehr länger Frosch sein." Seine goldene Kugel hat er bereits an die Bank verscherbelt, um sich von dem Erlös in dem kalten Brunnen eine Warmwasserheizung einbauen zu lassen. "Oder meint ihr, ich will immerzu frieren?", beschwert er sich. Das Rumpelstilzchen (Yara Antonic) hingegen hat den sehnlichen Wunsch, auch einmal ein Prinz sein zu dürfen. Dornröschen (Hanna El Ayoubi) will statt hundert nur noch 50 Jahre schlafen. Schneewittchen (Celina Rütz) flieht vor einer Riesenheuschrecke und die Hexe (Euphemia Hauk) hat sich dazu entschlossen, keine Kinder mehr zu verspeisen. Stattdessen schickt sie Gretel (Charlotte Nasinski) in den Supermarkt, um Lebensmittel zu kaufen. Und auch Rapunzel (Nora Antonic), das tapfere Schneiderlein (Miron Hauk) und nicht zuletzt der Teufel mit den drei goldenen Haaren (Alessio Mangano) führen ihr Eigenleben. Sind nun die Brüder Grimm mit ihrem Latein am Ende? Oder haben sie das alles nur geträumt?

Die Aufführung jedenfalls ist ein Riesenspaß für die kleinen und großen Zuschauer, die in großer Zahl gekommen sind. Seit Mitte September hat die Leiterin der Kindertheatergruppe, Annette Hübner, regelmäßig mit den 13 kleinen Akteuren geprobt. Ihr zur Seite standen Tochter Lena sowie Sarah Lindner. Auch die Kinder selbst hätten ihre Ideen eingebracht, freut sich Annette Hübner: "Das war wirklich toll." bh

© Mannheimer Morgen, Freitag, 09.12.2016
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Wohnmobile: Stadt hat rund 600 000 Euro investiert und betreibt Anlage vorerst selbst /
„Ziel ist es, das an den Markt zu bringen“

Stellplatz im Februar in Betrieb

Von dem Mannheimer Morgen Redakteur Heiko Brohm

© Prosswitz

Alles fertig, nur der Strom fehlt noch, dann können die Besucher mit ihren Wohnmobilen das Gelände in Neuostheim nutzen. Platz ist dort für 15 Fahrzeuge.

Die Stadt Mannheim wird zum Campingplatzbetreiber: Weil es bislang noch keinen Pächter für den neuen Wohnmobilstellplatz in Neuostheim gibt, übernimmt die Verwaltung im Rathaus diesen Job selbst. Für wie lange, ist völlig offen. Laut städtischer Vorlage ist nicht nur "nicht absehbar", wann ein Pächter gefunden werden kann, sondern auch "ob" das der Fall sein wird.

Gut 600 000 Euro hat die Stadt in die Gestaltung des Geländes investiert. Über die Betriebsordnung und die Preise müssen die Politiker nun im Hauptausschuss nächste Woche und im Gemeinderat kurz vor Weihnachten entscheiden.

Stellplätze für Wohnmobile in Städten liegen im Trend. Immer mehr Kommunen wollen es so Touristen mit ihren Fahrzeugen ermöglichen, direkt vor Ort zu übernachten. In vielen Kommunen in der Region gibt es solche Angebote bereits, etwa in Ladenburg, Lorsch, Speyer oder Worms. In Mannheim dagegen suchen sich die Wohnmobil-Fahrer derzeit meistens öffentliche Parkplätze, um dort zu übernachten.

Preise und Bedingungen

  • Da die Stadt den Stellplatz für 15 Wohnmobile vorerst selbst betreiben wird, muss sie auch die Preise und Benutzungsordnung festlegen. Abgestimmt wird darüber am 20. Dezember im Gemeinderat.
  • Die Verwaltung schlägt eine Standgebühr von zehn Euro pro Tag (24 Stunden) vor. Strom und Frischwasser kosten jeweils einen Euro pro Kilowattstunde/100 Liter. Die Abwasserentsorgung ist im Preis enthalten.
  • Abgerechnet wird über einen Parkscheinautomaten vor Ort. Mitarbeiter der Stadt sollen das täglich kontrollieren. Wer keinen Parkschein hat, muss 40 Euro Strafe zahlen. Auch die Abrechnung für Strom und Wasser läuft über Automaten.
  • Die Wohnmobile dürfen höchstens 14 Tage am Stück stehen bleiben, die Stadt geht aber von einer Nutzungsdauer von ein bis drei Tagen aus. bro

Nur noch der Strom fehlt

Die Stadt wollte das ändern und hat sich nach Prüfung von insgesamt fünf Standorten für eine Fläche an der Hans-Thoma-Straße im Neuostheimer Gewerbegebiet Mühlfeld entschieden. Der Kommune gehört hier ein Grundstück, das teilweise mit Schrebergärten belegt war, den Pächtern war aber bereits zu Ende 2015 gekündigt worden.

"Einen optimalen Standort zu finden, ist in einer Großstadt natürlich schwer", sagt Markus Becker, der für das Projekt in der Stadtverwaltung verantwortlich ist. "Aber wir haben einen wirklich guten Ort ausgesucht." Schließlich sei es darum gegangen, mehrere Kriterien unter einen Hut zu bekommen: Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Erreichbarkeit und eben ein geeigneter Platz. All das habe man auf dem schmalen, langgezogenen Grundstück zwischen Hans-Thoma-Straße und Seckenheimer Landstraße direkt hinter dem B&B-Hotel gefunden.

Die Fläche wurde in den vergangenen Monaten hergerichtet, Versorgungsleitungen wurden verlegt und der Untergrund auf die schweren Fahrzeuge vorbereitet. Insgesamt 605 000 Euro hatten die Stadträte für die Arbeiten genehmigt. "Fast fertig" sei der Platz, sagt Becker, eigentlich gehe es nur noch darum, wann die MVV die Stromversorgung für die Fläche anknipse. "Wir warten", sagt er, irgendwann im Januar werde es dann wohl soweit sein. Zum Februar also könnte der Platz endlich öffnen.

"Nicht luxuriös, aber sehr ordentlich" wolle man die bis zu 15 Wohnmobile empfangen, erklärt Becker. Der Platz verfüge über nötigen Versorgungsleitungen, eine Behindertentoilette und eine Möglichkeit, die chemischen Toiletten aus den Wohnmobilen zu entleeren. Die Mitarbeiter aus dem städtischen Fachbereich Sport und Freizeit betreuen die Anlage vorerst mit, es werde niemand eigens dafür abgestellt. Laut Markus Becker ist es auch nicht so, dass man keinen Pächter für die Fläche finde, die Stadt habe es bislang noch gar nicht offiziell versucht. "Ziel ist nach wie vor, das an den Markt zu bringen, aber dafür muss das erstmal laufen." Der Praxisbetrieb solle zeigen, welche Einnahmen zu erwarten sind, das sei wichtig für die Verhandlungen.

Skepsis im Stadtteil

Für wenig Begeisterung sorgt der Platz nach wie vor beim Bezirksbeirat Neuostheim, der den Beschluss mehrheitlich abgelehnt hatte. Das Grundstück sei "nicht geeignet", auch weil die "verkehrliche Erschließung dieses Grundstücks die ohnehin angespannte Verkehrssituation im Gewerbegebiet Mühlfeld weiter verschlechtert", sagen die Bezirksbeiräte Matthias Geisler und Margot Liebscher. Zudem könnten mit einem Stellplatz in einem Gewerbegebiet wohl nur schwer Touristen angesprochen werden.

Bei der Stadt dagegen geht man von einem Erfolg des neuen Angebots aus - erste Überlegungen über eine Option, die Fläche noch zu erweitern, gebe es bereits, heißt es auf Nachfrage.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 09.12.2016
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Schwierige Pächtersuche

Von dem Mannheimer Morgen Redakteur Heiko Brohm über den neuen Stellplatz für Wohnmobile

© Rinderspacher

Mannheim und seine Campingplätze, das ist keine ganz einfache Geschichte. Das Gelände am Neckarufer ist seit einiger Zeit geschlossen, auch über einen Stellplatz für Wohnmobile wurde lange geredet, bald soll die Fläche im Neuostheimer Gewerbegebiet jetzt öffnen. Ein Idyll sieht sicherlich anders aus, ob das Ganze aber ein guter Standort ist, das werden die Nutzerzahlen zeigen. Mit der SAP Arena und dem Maimarkt hat die Fläche jedenfalls schon mal potenzielle Anziehungspunkte in der Nähe, solide ausgestattet ist sie ebenfalls und damit ein sinnvolles Angebot.

Dass die Stadt den Platz zumindest vorerst selbst betreibt, ist dagegen keine Ideallösung. Wer in die Region schaut, sieht, dass dort, wo solche Plätze attraktiv liegen und somit Potenzial da ist, Geld damit zu verdienen, private Pächter am Werk sind. So einen Pächter für den Wohnmobilplatz in Neuostheim zu finden, dürfte schwierig werden, dafür ist der Platz eben zu klein und damit auch als Einnahmequelle nicht attraktiv genug. Die Stadtverwaltung wird hier vielleicht länger den Pächter geben müssen.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 09.12.2016
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Neuostheim/Neuhermsheim: Bezirksbeiratssitzung – noch keine Informationen zum Lärmschutz an der ICE-Strecke möglich

Bezirksbeirat pocht auf Beteiligung bei Bahn-Planung

© ost

Dank an Steffen Ratzel, der zum letzten Mal die Sitzung leitete: Andreas Schöber, Mathias Geisler, Steffen Ratzel und Margot Liebscher (v.li.n.re.).

"Mit wie vielen Güterzügen pro Tag müssen wir bei der geplanten ICE-Strecke Frankfurt-Mannheim in Neuostheim und Neuhermsheim rechnen? Und was plant die Bahn zum Lärmschutz der Anwohner?": Das fragten besorgte Bürger und Mitglieder der Bürgerinitiative Neuhermsheim ohne Bahnlärm (bi-nobl) bei der vergangenen Bezirksbeiratssitzung.

"Das kann man jetzt noch nicht sagen", antworteten die Vertreter der Bahn. Jörg Ritzert, der bei der DB Netz AG für das Projekt verantwortlich ist, erklärte zur ICE-Neubaustrecke Rhein-Main/Rhein-Neckar: Da die Verkehrsprognose des Bundesverkehrsministeriums eine deutliche Verkehrssteigerung bis 2030 beim ICE und damit einen "Kapazitätsengpass" voraussage, sei die Neubaustrecke erforderlich. Die ICE-Strecke werde so gebaut, dass sie für "Mischverkehr", mithin für Personen- und Güterverkehr, tauglich ist. Zur Entlastung der Bestandsstrecken in den dicht besiedelten Bereichen an der Riedbahn und Main-Neckar-Bahn sollen tagsüber ICE und nachts Güterzüge auf der Neubaustrecke fahren. Dazu erklärte Sitzungsleiter Steffen Ratzel: "Es ist ja löblich, dass man die Bestandstrecken entlastet, aber Frage ist, ob das auch für alle gilt." Die Bürger in Neuostheim und Neuhermsheim wollten wissen, wohin die Reise gehe. Deshalb sei es nötig, dass die Stadtteile beim Planungsprozess einbezogen würden. "Es kann sein, dass sich viele einigen zu ihren eigenen Gunsten", so Ratzel. Betroffen seien nicht nur Neuostheim und Neuhermsheim, sondern auch andere Stadtteile. "In einer ohnehin stark belasteten Region gibt es die Befürchtung, dass sich 90 Prozent einig sind und zehn Prozent übrig", so Ratzel. Deshalb würden sie darauf achten, dass Mannheim nicht zum Rest gehört. "Das ist ein Thema der gerechten Verteilung, ob nicht alle in der Region entlastet werden und wir das tragen", sagte der Stadtrat.

Bezirksbeirat Andreas Schöber (Grüne) wollte wissen, inwieweit der Bezirksbeirat beim Planungsprozess eingebunden sei und wie die Bürger mitreden könnten. "Wir wollen das Projekt, aber nicht um jeden Preis", sagte er. Ritzert verwies auf die Knotenuntersuchung des Bundes, die 2017 abgeschlossen sein soll. Erst wenn diese vorliege, könne man über die Entlastung der Östlichen Riedbahn sprechen. Wegen der Wichtigkeit des Projekts für die Bahn, so der DB-Projektleiter, wollten sie nicht nur Kommunen wie Mannheim frühzeitig am Planungsprozess beteiligen, sondern auch die Bürger. Dazu soll es Arbeitsgruppen geben - auch speziell für Mannheim und zur Lärmentwicklung an den Bestandsstrecken. "Die Einzelthemen können dann ins große Gremium, in dem Mannheim ebenso vertreten ist wie die Bürgerinitiativen, gespielt werden", sagte Ritzert. Eine weitere Möglichkeit, Einwände und Hinweise zum Projekt einzubringen, ist per E-Mail unter rmrn@deutschebahn.com. ost

© Mannheimer Morgen, Freitag, 09.12.2016
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Das Wetter des Monats: In den vergangenen Wochen war es überdurchschnittlich nass und zu trüb /

Eiskalte Aussichten

November macht seinem Ruf alle Ehre

Von der Mannheimer Morgen Redakteurin Christine Maisch-Straub

©  Rittelmann
Trist und trüb, so war das Wetter im November. Trotzdem bot sich immer wieder die Gelegenheit für einen Herbstspaziergang, wie hier am Necakrufer in Neuostheim.

Kurze Tage, an denen sich die Sonne gar nicht oder höchstens mal für ein paar Minuten blicken lässt, dazu gefühlte Schmuddelwetter-Temperaturen, die sich nicht so recht zwischen ungemütlich frisch oder eisig kalt entscheiden können - und natürlich jede Menge Regen: Der vergangene Monat hat den Menschen in der Quadratestadt einen November fast wie aus dem Lehrbuch der Wetterfrösche beschert. Jedoch: "Es war selbst für diese Jahreszeit überdurchschnittlich trüb, etwas zu warm und ungewöhnlich nass", resümiert Experte Klaus Riedl, der im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes die Zahlen für Mannheim und die Region festhält.

Ein Blick in seine Aufzeichnungen belegt, dass ein Mittelwert von 5,6 fast ein halbes Grad über dem normalerweise zu erwartenden Ergebnis liegt. Dennoch: Auch ein absolutes Maximum von 15,7 am Sonntag, 20. November, reicht nicht für einen Rekord. Schließlich liegt der höchste Wert, der seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1949 jemals in Mannheim festgehalten wurde, bei 22,6 Grad, gemessen am 1. November 1968. Übrigens: Den Minusrekord meldeten die Meteorologen am 26. November 1989 mit frostigen minus 8,7 Grad.

Und obwohl in den vergangenen Wochen oft tagelang kaum ein Tropfen vom Himmel fiel, ist die Gesamtmenge für den November fast zehn Prozent größer als der Durchschnittswert. Das lag an einigen wenigen Tagen, wie beispielsweise dem 10. November, an dem in Mannheim 56,7 Liter pro Quadratmeter herabprasselten.

Wetterinfos und Historie

  • Kurze Informationen zum Luftdruck in der Quadratestadt und in der Region sowie zu historischen Daten geben die Experten von der inzwischen für Mannheim zuständigen Regionalzentrale unter der Telefonnummer 069/80 62 95 23.
  • Die Mannheimer Wetter-Warte zog im Jahre 1975 von der Gartenstadt an den Rand des Ortsteils Vogelstang am Köthener Weg. Damals wurde auch das Aufgabengebiet erweitert. Sie war noch bis vor einigen Jahren rund um die Uhr besetzt.
  • 1996 wurde die Wetter-Warte in eine Wetterstation umgewandelt. Die persönliche Beratung ging inzwischen an die Regionalzentrale in Stuttgart über. (mai)

Leider schien auch die Sonne im Durchschnitt rund fünf Stunden zu wenig - trotz der Superwerte von mehr als sieben Stunden am 14., 28., 29. und 30. November.

Weiße Weihnachten?

Apropos Bescherung: Dürfen wir uns auf weiße Weihnachten freuen? "Das ist noch zu lange bis dahin", so der Wetterfachmann. Zwar kann er bereits sagen, dass uns die kommenden Tage kältere Luft aus dem Osten erreicht, die wahrscheinlich auch von viel Sonne sowie eisigen, sternenklaren Nächten begleitet ist. Und so könnten Wiesen und Autodächer passend zum gestrigen Nikolaustag ein leichtes, weiß gezuckertes Kleid tragen.

Doch für den 24. Dezember, Heilig Abend, wagt Klaus Riedl noch keine genauen Prognosen: "Es ist noch alles drin", versichert er. Denn Kaltluft aus Skandinavien oder Finnland "liegt genügend parat". Doch die Meeresfläche, über die sie auf dem Weg zu uns wehe, sei nicht besonders groß: "Dann ist die Luft zu trocken für weißen Niederschlag." Lassen wir uns für Weihnachten eben überraschen - und warten ab, ob das Christkind Schnee oder nur eisige Luft im Gepäck hat.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 07.12.2016
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Neuostheim: Weihnachtsbaum des Bezirksbeirats erhellt den Stadtteil

Weihnachtliches Flair am Ortseingang

© N. Kranczoch

Der Baum steht.

Ein jährlich wiederkehrendes Highlight im Veranstaltungskalender von Neuostheim: Der Weihnachtsbaum an der Ecke Seckenheimer Landstraße/Dürerstraße wird aufgestellt und illuminiert. Doch erst ein Schreck: Wegen Stromausfall hatte die MVV den Platz vor dem Weihnachtsbaum aufgegraben, um nach dem Fehler zu suchen und neue Elektroleitungen zu legen.

Zum zwölften Mal

"Zum Glück liegen die Kabel für die Lichterketten oben rum", meinte Bezirksbeirat Matthias Geisler erleichtert. "Auch in diesem Jahr ist es somit wieder gelungen, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, so sieht es hier etwas weihnachtlicher aus", freute sich der Bezirksbeirat. Die Weihnachtsbaumaufstellung jährt sich in diesem Jahr zum zwölften Mal. Die Idee von Heide-Christine Loy setzte der Bezirksbeirat erstmals im Jahr 2004 um. Als der Bezirksbeirat sich aus der Finanzierung zurückzog, übernahm der CDU-Ortsverband Neuostheim die Veranstaltung. Seit 2008 organisiert Matthias Geisler den Baum. Inzwischen ist wieder der örtliche Bezirksbeirat Organisator der Veranstaltung.

Der acht Meter hohe Baum kommt aus Simmersfeld im Schwarzwald von Matthias Wurster, der auch am Flugplatz in Neuostheim und auf dem Gerd-Dehof-Platz in Neuhermsheim Weihnachtsbäume verkauft. Aufgestellt wurde die mächtige Tanne von der Freiwilligen Feuerwehr Innenstadt. Die Feuerwehrleute unter Leitung von Kommandant Markus Widder haben den Baum zurechtgesägt, aufgestellt und mittels Drehleiter auch die Lichterketten aufgehängt. Für den Stromanschluss sorgte Axel Kehrberger. Der Strom wird von der MVV gestiftet.

"Die Weihnachtsbaumaufstellung, die nur möglich ist durch die finanzielle Unterstützung des Bezirksbeirats, ist eine tolle und wichtige Institution für den Stadtteil", sagte CDU-Stadtrat Steffen Ratzel. Was ihn besonders freut, ist, dass der Bezirksbeirat auch den Baum in Neuhermsheim stiftete. "In beiden Stadtteilen ein Weihnachtsbaum - das ist schön.", so Ratzel. ost

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 07.12.2016

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Mannheim: Wiederholt Stromausfälle

Sonntag, 20.11.2016

Mannheim. Nach den Stromausfällen, die es Ende vergangener Woche in mehreren Stadtteilen gab, ist am Samstag Neuostheim an der Reihe gewesen. Morgens gegen 8.30 Uhr stellten Kaffeemaschinen, Toaster und andere elektrische Geräte ihren Betrieb ein. Nach Angaben der MVV war die Störung nach etwa einer halben Stunde wieder behoben. Betroffen seien auch nur einige Bereiche des Stadtteils und vor allem Gewerbebetriebe, sagte Unternehmenssprecher Roland Kress. Einen Zusammenhang mit den jüngsten Stromausfällen in Neckarau, Lindenhof und Almenhof gebe es nicht. (sma)
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Sicherheit: Feuerwehr am Flugplatz Neuostheim übt mit Kollegen der Stadt und mit Rettungsdiensten /
Funk kleine Schwachstelle

Im Ernstfall müssen alle ran

Mannheimer Morgen vom Montag, den 31.10.2016
Von dem Redakteur Peter W. Ragge


Sie rasten auf den letzten Metern mit Martinshorn heran, lockten mit flackerndem Blaulicht auch neugierige Zaungäste herbei: Rund 80 Einsatzkräfte von Feuerwehren und Rettungsdiensten übten am Samstag auf dem Flugplatz Neuostheim mit der dortigen Flugplatzfeuerwehr gleich mehrere Szenarien - in der Hoffnung, dass sie nie eintreten.

Der letzte Flugunfall liegt schon über sechs Jahre zurück - damals schoss ein aus Wien kommender Geschäftsflieger über die Landebahn hinaus, blieb in der Böschung hängen. "Größere Sachen und Brände haben wir zum Glück recht selten", so Stefan Roth, Einsatzleiter der Flugplatzfeuerwehr. Und doch zählt die Truppe 25 bis 30 Einsätze im Jahr, "meist technische Hilfeleistungen", wie Roth sagt.

Jetzt, bei der Übung, kommt alles zusammen. Aus einer Do 328 - einer Passagiermaschine mit 32 Sitzen, wie sie auch die Rhein-Neckar-Air für Flüge nach Berlin und Hamburg einsetzt - quillt Rauch. Sie steht in einem Hangar, wo an anderer Stelle ebenso ein Feuer ausgebrochen ist, unter zwei großen Chemiebehältern ein Mensch eingeklemmt liegt. Auch auf einem Container und an einer Treppe befinden sich Verletzte.

Flugplatz Neuostheim

  • Auf dem Flugplatz Mannheim gibt es jährlich 28 000 Flugbewegungen, 20 000 Passagiere im Linienverkehr und 85 000 weitere Passagiere.
  • Die Flugplatzfeuerwehr (Leiter: Rainer Jakob, Stv. Markus Schindler) besteht aus 17 Mann und zwei Frauen. Sie sind Angestellte des Flugplatzes oder der Firma H² Handling, einem Dienstleister für die Abfertigung von Charter- und Linienfliegern.
  • Außer bei Einsätzen sind die Mitarbeiter der Flugplatzfeuerwehr zuständig für Instandhaltung und Wartung aller flugplatztechnischen Einrichtungen, Betankungen von Flugzeugen, Winterdienst. Sie mähen den Rasen, verladen Frachtgut, verjagen Vögel, schulen Piloten und Crews und machen einmal stündlich eine Sicherheits-Streifenfahrt rund um das gesamte Flugplatzgelände.
  • Sie verfügen über vier Fahrzeuge: Flugfeldlöschfahrzeug, Hilfeleistungs-Tanklöschfahrzeug, Mannschafts- und Einsatzleitwagen.
  • Wenn nicht mindestens vier Feuerwehrleute im Dienst sind, darf kein Linienflieger abheben oder landen - eine bundesweite Vorschrift. pwr

Amerikanisches jaulendes Sirenengeheul ertönt - denn das Flugfeldlöschfahrzeug hat diesen besonderen Warnton, der sich gleich mit Martinshorn vermischt. Flugplatzfeuerwehr sowie Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehren Feudenheim und Seckenheim brausen heran. Schläuche werden ausgerollt, Verteiler gesetzt, Strahlrohre angeschlossen, ein Spreizer herangeschleppt, um die eingeklemmte Person zu befreien.

"Verletzte" schreien

Die Flugzeugpassagiere, dargestellt von Mitgliedern vom Jugendrotkreuz sowie von Flugplatzmitarbeitern, jammern, schreien, stöhnen, humpeln, haben teils ganz schlimm aussehende Wunden. Das Team "Realistische Unfall-Darstellung" vom Roten Kreuz hat sie eigens so geschminkt. Die Feuerwehrleute stützen die noch gehfähigen Patienten, schleppen Schwerverletzte per Rettungsbrett zu den Sanitätern. "Was ist mit ihr, ist sie tot, was ist passiert?", schreit da ein Mädchen, als neben ihr eine junge Frau plötzliche Bewusstlosigkeit spielt. Denn auch das gehört zum Szenario - dass anfangs Unsicherheit, Durcheinander, ja großes Chaos herrscht.

"Sieben Verletzte, davon drei schwer", meldet Philip Bergmann von der Johanniter-Schnelleinsatzgruppe - und ruft wegen der plötzlichen Ohnmacht Kollegen vom Roten Kreuz Seckenheim und Friedrichsfeld zu Hilfe. Die bauen gerade ein Zelt auf, installieren dort Behandlungsplätze, ein Heißluftgebläse. "Das Ziel ist, die Verletzten schon hier zu sichten, eine erste Behandlung zu machen - als Puffer, damit nicht die Krankenhäuser sofort überfordert sind", erläutert Dirk Olbert vom Roten Kreuz, Zugführer der 2. Sanitäts-Einsatzeinheit Mannheim, die mit Rettungs-, Geräte- und Einsatzleitwagen angerückt ist.

Im Ernstfall macht die Sichtung ein Notarzt - doch zu dieser Übung hatte keiner Zeit. Gekennzeichnet werden die Verletzten mit Plastik-Anhängekarten, die per Farbe signalisieren, wie dringend jemand behandelt werden muss - und persönliche Daten festhalten, wenn später Polizei oder Angehörige fragen.

Aber selbst die "Schwerverletzten" mit roten Karten sind gleich darauf putzmunter - um beim zweiten Szenario aus einem verqualmten Keller gerettet oder aus einem mit dichtem Rauch verhangenen Büro geholt zu werden. Hier ist es eine Explosion im Heizkeller, die als Grundlage der Übung angenommen wird.

Andere Frequenz

Doch waren das jetzt sieben Verletzte oder acht - oder noch viel mehr? Schnell kursieren unterschiedliche Zahlen, weil die Kommunikation nicht klappt. Die Flugplatzfeuerwehr benutzt eigenen Betriebsfunk, darf sich gar nicht auf die Kanäle des offiziellen Behördenfunks aufschalten - "eine Schwachstelle, da muss man darüber nachdenken", so Thorsten Becker, Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim und diesmal Übungsbeobachter. Man kann sich nur damit behelfen, dass zumindest die Einsatz- und Abschnittsleiter Handfunkgeräte austauschen. "Aber man muss nur Kleinigkeiten optimieren, im Prinzip lief es gut", urteilt er.

"Sah alles gut aus", findet ebenso Roy Bergdoll, Einsatzleiter und Beobachter der Berufsfeuerwehr. "Uns ging es darum, die Zusammenarbeit mit externen Kräften zu trainieren, und das hat gut geklappt", so auch Stefan Roth zufrieden.

© Mannheimer Morgen, Montag, 31.10.2016
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Neuostheim:
Die sieben Vereine feiern mit Besuchern ihr Flugplatzfest / An Simulatoren eine Landung
in Frankfurt üben

„Es hat schon etwas gerumpelt“

Von dem Mannheimer Morgen Redakteur Bernhard Haas
© Ruffler

Einige Besucher, die bei einem Rundflug in einem 1949 gebauten Doppeldecker mit der Bezeichnung SV 46 "Stampe" vor dem Pilot Platz nehmen dürfen, fühlen sich an den Film "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" erinnert.

Der zwölfjährige Elias und die ein Jahr jüngere Mola klopfen sich auf die Schultern. Sie freuen sich riesig. Zum ersten Mal haben beide einen Rundflug mit einer viersitzigen "Tobago" gemacht. Die Mannheimer Flugtage machen's möglich. "Wir sind über Ilvesheim nach Heidelberg geflogen und wieder über den Rangierbahnhof zurück", erklärt Vater Martin Hölzer die Aktion am Samstag und Sonntag. "Ich bin schon mit einem großen Jet in den Urlaub geflogen, aber das hier war etwas ganz anderes. Da bekommt man jedes Luftloch mit. Aber man braucht keine Angst zu haben. Man sieht ja immer auf den Boden", erzählt Elias - und Mola ergänzt: "Man ist ganz schön angespannt. Aber es ist ein Super-Erlebnis." Manchmal hat es schon etwas gerumpelt", sind die beiden ehrlich und froh darüber, dass sie wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Familiengerechte Preise

Rund- und Schnupperflüge sind nur einige der Attraktionen, die das Luftsportzentrum Rhein Neckar auf dem Flugplatz Neuostheim anbietet. Der Badisch-Pfälzische Modellflugsportverein lässt einige Modelle Loopings fliegen. Steil steigen die Flieger in den Himmel, bis sie fast von alleine nach vorne überkippen. Gekonnt bringen die Modellflieger ihre Maschinen wieder in eine geordnete Flugbahn. "Wir veranstalten hier ein Fest für die ganze Familie", sagt der Vorsitzende Klaus Peters über das Programm, das die sieben Vereine des Luftsportzentrums organisiert haben. Nicht ganz ohne Stolz berichtet Peters, dass die Preise für Speisen und Getränke schon seit drei Jahren stabil und damit familiengerecht gehalten werden. Pressesprecher Andre Aepfelbach ergänzt: "Die Zahl der Besucher zeigt uns, dass der Traum vom Fliegen in all seinen Facetten lebt und von vielen Menschen geträumt wird." An einem Flugsimulator können Anflüge auf den Internationalen Flughafen Frankfurt fast wie in der Realität nachgestellt werden. Um die Ecke haben sich die Luftsportler was Neues ausgedacht. Hier erwartet der "Flughafen-Kasper" die jüngsten Besucher und geht mit ihnen auf Abenteuer. Zu Rundflügen lädt auch der Segelflugverein ein.

Wartezeit von fast einer Stunde

Die Wartezeit beträgt fast eine Stunde, was die Besucher aber in Kauf nehmen. In der Zwischenzeit verweilen sie bei Essen und Trinken - wie Fritz Sartorius. "Das Flugplatzfest ist gemütlich, weil es nicht so überfüllt ist. Hier trifft man Bekannte", sagt der angehende Berufspilot, der gerade seine Prüfung bestanden hat. Mit Oldtimern in "echter Handarbeit" fliegen die Mitglieder von Flugwerk. Der Stolz des Vereins ist eine Boeing Stearman aus dem Jahr 1943. "Die ist original erhalten", erklärt Vorstandsmitglied Rüdiger Kling. Über solche Flugtage finanziert der Verein einen Teil seiner Kosten für die Instandhaltung seiner "fliegenden Kisten". "Man muss sich vorstellen: Alle Ersatzteile müssen in den USA bestellt werden. Da kostet ein Teil schnell mal über 500 US-Dollar", macht Kling deutlich.

© Mannheimer Morgen, Montag, 12.09.2016
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Neuostheim: Bahnwärterhaus an der Hermsheimer Straße 2 wurde um 1880 erbaut

Relikt der Mannheimer Eisenbahngeschichte

Von der Mannheimer Morgen Redakteurin Viola Eigenbrodt

© eig

Das leer stehende Bahnwärterhaus in Neuostheim an der Hermsheimer Straße: Denkmalschützer befürchten, dass das Gebäude zerfällt oder gänzlich zerstört wird.

In Mannheim historische Bausubstanz zu finden, ist schwierig aufgrund der flächendeckenden Großangriffe, besonders in den Jahren 1943 bis 1945, bei denen mit 25 181 Tonnen Bomben beinahe die ganze Stadt wegradiert wurde. Fast 2000 Menschen verloren ihr Leben. Bis heute geht die Stadt, so Kritiker, nicht eben respektvoll mit dem "bisschen", was noch übrig blieb um, manches wird gar abgerissen. Finden sich keine privaten Investoren, so nutzt oftmals auch der Denkmalschutz wenig. Denn ist ein Haus erst einmal verfallen, kann es auf Grund von Unwirtschaftlichkeit abgerissen werden. Aufmerksam wurde daher Volker Keller vom Verein "Stadtbild", als er einen Bauzaun um ein in der Öffentlichkeit nicht ganz so bekanntes Gebäude entdeckte: das Bahnwärterhaus in Neuostheim.

"Ich befürchte einen weiteren Zerfall des Gebäudes, beziehungsweise seine Zerstörung, daher habe ich mich an die Presse gewandt", erzählt der umtriebige Denkmalschützer. Um folgenden kleinen Schatz, der sich in Privatbesitz befindet, geht es: Vermutlich 1880 für den "Bahnübergang Nr. 3" der östlichen Riedbahn erbaut, steht das Haus zwar unter Denkmalschutz, wirkt aber trotz scheinbarer Bewohnung recht verwahrlost. Gesichert ist ein Datum mit einer Hochwasserpegelmarkierung von 1882. Gartenreste mit wildem Bewuchs machten es bis vor kurzem schlecht einsehbar.

In der Nähe entstand Neuostheim

Die Riedbahn, die, wie ihr Name schon verrät, vom hessischen Ried östlich nach Mannheim führt, teilt sich südlich bei Neuhermsheim in eine Strecke zum Hauptbahnhof und eine zum Rangierbahnhof und in eine nach Heidelberg führende Line. Hier war auch einmal die Gemarkungsgrenze zu Feudenheim, das 1910 eingemeindet wurde.

In der Nähe des Bahnwärterhauses entstand ab 1913 die "Villenkolonie" Neuostheim - noch immer eine beliebte Wohngegend mit attraktiven alten Stadthäusern. Stallungen besaß das Haus einst, das Pferd war noch nicht ganz aus der Mode. Ein schönes Anwesen mit Satteldach unmittelbar neben dem Bahnkörper überbrückt verschiedene Ebenen des Geländes.

Ein tiefer liegendes Gartengeschoss besteht aus Sandsteinmauerwerk, im Inneren mit Tonnengewölbe. Erdgeschoss und das Dachgeschoss weisen Putzfassaden auf. Die Stallungen und der Garten ermöglichten eine weitgehende Selbstversorgung der einstigen Bewohner, erklärt Keller. Die Zeitläufe bescherten ihm verschiedene Adressen und Besitzer, und die Gründung des neuen Bürostadtteils "Eastsite" ließen das vom Weltkrieg unzerstörte Haus am Leben.

Das Kleinod sollte unbedingt erhalten bleiben, so Keller. "Es ist ein bedeutsames Beispiel eines Dienst- und Wohngebäudes aus der Frühzeit der Eisenbahngeschichte Mannheims", findet er. Und fügt noch hinzu: "Das Bahnwärterhaus stellt, zusammen mit dem alten Fährhaus der Fähre nach Feudenheim, eines der beiden letzten Überreste der Bebauung dieser Gegend vor der Gründung der Villenkolonie Neuostheim dar.

Alle anderen baulichen Zeugen Neuostheims aus dem 19. Jahrhundert, zum Beispiel die städtische Abfuhranstalt und Kompostfabrik, sind restlos verschwunden, berichtet der Denkmalschützer. Die Nähe zu den Bahngleisen machen eine vielseitige Nutzung, falls der Eigentümer überhaupt einverstanden wäre, aber schwierig. Vorstellbar wäre vielleicht ein Künstleratelier, Gastronomie, ein Kiosk, ein Radlertreff oder als Relikt der Eisenbahngeschichte ein kleines Museum - Eisenbahnromantik pur sozusagen.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 31.08.2016
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Neuostheim: Areal am alten Fährhaus soll zuwachsen und als Teil des Neckarufers renaturiert werden

Stadt lässt verwahrloste Camping-Parzellen räumen

Von dem Mannheimer Morgen Redakteur Thorsten Langscheid

©  Prosswitz

Sascha Wössner (im Radlader) bei der Räumung eines Wohnwagenwracks: Auf die Besitzer kommen jetzt bis zu 5000 Euro Kosten zu.

Seit gestern lässt die Stadt zwangsräumen, spätestens bis Jahresende soll der ehemalige Campingplatz Neuostheim komplett verschwunden sein. Marcus Becker und Marco Vaccaro vom Rathaus-Fachbereich Sport und Freizeit haben damit das endgültig letzte Kapitel des seit Jahren umstrittenen Areals beim alten Fährhaus am Neuostheimer Neckarufer aufgeschlagen.

Zwei von vier noch verbliebenen verwahrlosten Wohnwagen der früheren Dauercamper-Anlage ließen sie jetzt von Abschleppunternehmer Sascha Wössner entsorgen, zwei weitere folgen aus rechtlichen Gründen in etwa zwei Wochen. Für die ehemaligen Eigentümer kann das teuer werden: Auf 1500 bis 5000 Euro, je nach dem, was auf der Campingparzelle noch vorhanden ist und entfernt werden muss, belaufen sich die Kosten, die die Stadt bei den Campern eintreiben lassen will.

Anlage passt nicht ins Konzept

"Danach geht die Müllabfuhr durch, dann eine Baufirma, die Betonfundamente, Gehwegplatten und Bauschutt entfernt", so Becker. Demontiert werden dann auch die Anschlüsse der längst stillgelegten Stromversorgung. Nächstes Jahr kann alles wieder zuwachsen, so dass am Ende nur noch Uferlandschaft übrigbleibt: "Der Platz passt nicht mehr in unser Camping-Konzept", wie Marcus Becker erklärt. Nur wenige hundert Meter entfernt an der Hans-Thoma-Straße entsteht derzeit ein moderner Wohnmobil-Park mit 16 Stellplätzen: "Der wird in wenigen Wochen fertig!"

Der Trägerverein des Campingplatzes mit zuletzt rund 50 Mitgliedern hatte nicht mehr die Kraft, in die Modernisierung der heruntergekommenen Duschen und Toiletten zu investieren. Mit 40 Dauer-Parzellen und dem schlecht frequentierten Areal für Kurzzeit-Camper war aus Sicht von Bezirksbeirat, Gemeinderat und Stadtverwaltung klar, dass die Anlage keine Zukunft hat - zumal der stark befahrene Rhein-Fernradweg mitten durch das Areal führt, was zusätzliche Probleme verursacht habe.

Der Trägerverein, dessen letzter Vorstand um Michael Bischoff bereits vor längerer Zeit zurückgetreten ist, sah das anders, man wollte für den Erhalt der "grünen Heimat" kämpfen. "Die Stadt hat unsere Gemeinschaft zerstört", klagten die Campingfreunde in den sozialen Netzwerken. Doch eine teilweise problematische Klientel und ein Brand an Weihnachten 2014, dem der Kiosk des Vereins zum Opfer fiel, besiegelten das Aus: Zum 31. Dezember 2015 lief der Pachtvertrag der Campingfreunde mit der Stadt Mannheim aus. Seit dem Rücktritt des Vorstands ist der Verein handlungsunfähig. Becker: "Die Gerichte bestimmen, wie es hier weitergeht, wir können solange nichts machen."

Seither arbeiten Becker und Vaccaro mit Hochdruck daran, die Räumung des Geländes rechtlich einwandfrei über die Bühne zu bringen. "Wir haben die Räumung bereits zum Jahreswechsel 2015/16 verfügt, von da an liefen Fristen", erklären die Behörden-Vertreter. Die meisten Dauercamper hatten sich auch daran gehalten, die noch übrig gebliebenen vier Fälle hätten sich aus Alters- oder finanziellen Gründen so lange hingezogen.

Unbeschreibliche Zustände

Zum Verdruss für die Neuostheimer trugen in den letzten Monaten laut Polizei auch rumänische, bulgarische und irische Wanderarbeiter bei, die in den aufgegebenen Parzellen verbotenerweise und unter unbeschreiblichen Zuständen hausten oder - trotz Schließung - das Areal einfach weiterhin als Caravan-Übernachtungsplatz nutzten. Polizisten schickten eine Gruppe von Wanderarbeitern, die sich mit modernen Wohnwagen am Neckarufer niedergelassen hatten, gestern wieder weg.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 30.08.2016
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Neuostheim: Verein hat den Platz am Neckarufer nach Kündigung immer noch nicht vollständig geräumt / Gelände verwahrlost zum Ärger der Bevölkerung

Camping: Stadt setzt Pächtern letzte Frist

Von der Mannheimer Morgen Redakteurin Sylvia Osthues

 

Kein schöner Anblick, aber der Stadt sind die Hände gebunden: Betoneinfassungen müssten eigentlich zurückgebaut, Hütten und Einrichtungsgegenstände auf dem Campingplatz am Neckar in Neuostheim beseitigt werden.

Die Stadt Mannheim hatte den Campingfreunden Neuostheim den Platz direkt am Neckarufer gekündigt (wir berichteten). Zum 31. Dezember 2015 sollte alles geräumt sein. Doch noch immer stehen dort verlassene und heruntergekommene Wohnwagen - zum Ärger von Anrainern. Der Kommune sind aber die Hände gebunden.

Begehung mit Bezirksbeirat

Der halb verfallene Jägerzaun vor dem großen Zelt, das offensichtlich bewohnt ist, hängt an modrigen Pfosten. Gehwegplatten, Glasscherben und Plastiktüten liegen zuhauf im Gras, daneben die Spuren eines ausgebrannten Wohnwagens. Bei einer Begehung mit Marcus Becker vom zuständigen Fachbereich der Stadt berichteten die Stadträte Roland Weiß und Wolfgang Taubert sowie die Bezirksbeiräte Margot Werner und Wolfgang Dreyer, dass dort vor nicht allzu langer Zeit eine große Gruppe englischer Landfahrer übernachtet habe.

Bei der Bezirksbeiratssitzung hatte zudem eine Bürgerin bemängelt, dass unerwünschte Gestalten noch immer in den stillgelegten Campingplatz in Neuostheim reinfahren können und dort ihren Müll hinterlassen - nicht zuletzt auch eine Frage der Sicherheit. "Immer wieder rufen Bürger an und fragen, warum macht ihr Politiker nichts", erklärte Weiß. Doch es wäre schon alles weg, wenn nicht die Rechtslage wäre, so der Stadtrat. Schwierig sei es, dies den Bürgern rüberzubringen. Ziel der Begehung sei daher "ein deutliches Signal an die Bevölkerung". Denn die Bürger fühlten sich ganz offensichtlich mit ihren Sorgen nicht ernst genommen.

Marcus Becker erklärte dazu: Nach Kündigung des Pachtvertrages zum 31. Dezember 2015 habe die Stadt den Campingplatzverein aufgefordert, das Gelände zu räumen. Problem der Verwaltung sei es, dass sie nach Auflösung des Vereins keinen Ansprechpartner mehr habe und so auch keinen Zugriff auf das Vereinsvermögen. Weil der Vereinsvorstand fehlt und vom Amtsgericht noch kein Zwangsverwalter bestellt wurde, müsse die Verwaltung jetzt die belangen, die für die Schäden verantwortlich sind. Von den Parzellenpächtern müssten auch die Betoneinfassungen wieder zurückgebaut werden.

"Es sind 35 Parzellen und auf 30 Parzellen ist was zu machen, die Kosten liegen pro Parzelle zwischen 2000 bis 5000 Euro und mehr", so Becker. Doch viele Pächter seien verzogen oder altersbedingt verstorben. Dann müsse sich die Verwaltung mit den Erben auseinandersetzen. Solange dies nicht geklärt sei, könne die Stadt nichts tun. Eine Ersatzvornahme zum jetzigen Zeitpunkt wäre ein Eingriff ins Eigentum. Die vorliegende Liste müsse erst mal verwaltungsmäßig abgearbeitet werden, das verstehe nicht jeder.

"Wenn wir als Verwaltung nicht ordnungsgemäß arbeiten, dann fallen die Kosten der Allgemeinheit zur Last", warnte Becker. Die Verwaltung habe den Pächtern jetzt eine Frist bis Ende August gesetzt. Je nachdem wie sie reagieren, beispielsweise um eine Fristverlängerung bitten, könne es auch etwas länger dauern. Erst, wenn die Pächter trotz Aufforderung nichts unternehmen oder sich weigern würden, sei die Stadt zur Ersatzvornahme befugt. Nur bei Gefahr im Verzug sei die Polizei zum Eingreifen verpflichtet. "Doch es gibt enge rechtliche Grenzen für Polizeigefahr", so Becker.

Die Zufahrt zum Campingplatz ganz zu schließen, ist nach Meinung des Behördenchefs nicht möglich, auch weil der Durchfahrtsweg an das öffentliche Radwegenetz angeschlossen ist. Eine Schranke müsste zudem beleuchtet werden - Kosten 3000 bis 4000 Euro - mithin unterm Strich also auch eine Kosten-Nutzen-Frage.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 24.08.2016
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Bundeswehr: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen stellt in Mannheim ein Mentorenprojekt vor, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen

„Frau Generälin“ soll die Regel werden

Von dem Mannheimer Morgen Redakteur Timo Schmidhuber

© Proßwitz

Die Chefin besucht das Bundeswehr-Bildungszentrum: Ursula von der Leyen neben dem Gastgeber, Präsident Christoph Reifferscheid (vorne rechts).

Ein Sturm ist nichts, was Ursula von der Leyen schrecken könnte. Als sie das letzte Mal in Mannheim war, vor einem Jahr beim großen Reitturnier CSIO auf dem Maimarktgelände, da hat es kräftig gewindet. Diese Anekdote erzählt die Verteidigungsministerin, als sie im Bildungszentrum der Bundeswehr in Neuostheim ans Rednerpult tritt. "Da war ein gewaltiger Sturm über der Stadt, es hätte uns beinahe von der Tribüne gefegt, aber ich habe das trotzdem noch in guter Erinnerung." Dieses Mal ist sie nach Mannheim gekommen, um das hier ausgearbeitete neue Mentorenprojekt der Bundeswehr zu starten. Wichtigstes Ziel: mehr Frauen in Führungspositionen bringen. Für die männerlastige Truppe durchaus auch eine Art Sturm.

"Im Tandem mehr erreichen" heißt das Motto des Programms, das 34 angehende Chefinnen - in der ersten Runde sind nur Frauen dabei - jeweils mit einer erfahrenen Führungskraft, fast nur Männer, zusammenbringt. Ein Jahr lang soll der Mentor seinen Schützling begleiten, sie sollen regelmäßig miteinander sprechen, die Jüngere soll von den Erfahrungen des Älteren profitieren. Dazu gibt es spezielle Seminare, die den Nachwuchs auf künftige Aufgaben vorbereiten.

Dank an "pfiffige Menschen"

Bildungszentrum der Bundeswehr in Neuostheim

Das Bildungszentrum der Bundeswehr hat das neue Mentorenprojekt entwickelt. Mit seinem Hauptsitz im Stadtteil Neuostheim ist es die höchste zivile Ausbildungseinrichtung der Truppe. Das Angebot richtet sich sowohl an Soldaten als auch an Zivilbeschäftigte.

Es bietet berufsbegleitende Fortbildung im wirtschaftlichen, sozialen, juristischen und technischen Bereich. Bundeswehr-Angehörige können dort aber auch Schulabschlüsse nachholen oder Abschlüsse in Berufen machen, für die sie bei der Bundeswehr ausgebildet worden sind.

Allein am Standort Mannheim gab es vergangenes Jahr mehr als 400 Lehrgänge mit rund 6500 Teilnehmern. Das Bildungszentrum hat Zweigstellen in Berlin, Bonn, Nienburg und Oberammergau.

In Mannheim will die Bundeswehr in den kommenden drei Jahren 45 Millionen Euro investieren, wie Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei ihrem Besuch noch mal betonte. Unter anderem sollen allein für 35 Millionen Euro neue Unterkunftsgebäude für die Lehrgangsteilnehmer entstehen. Baubeginn ist im September. imo

Bei den 34 Frauen handelt es sich vor allem um Ärztinnen in Bundeswehrkrankenhäusern, um Referentinnen im Verteidigungsministerium und um Frauen im höheren technischen Dienst aus ganz Deutschland. Doch das Programm beschränkt sich nicht nur auf Frauen. In der nächsten Runde in einem Jahr werden auch junge Männer aufgenommen.

Die aktuellen Mentoren und ihre Schützlinge sitzen gemeinsam mit anderen geladenen Gästen im Foyer des Bildungszentrums, das wie ein Amphitheater gestaltet ist. Die Tandems kennen sich erst wenige Wochen. Begleitet von Christoph Reifferscheid, dem Präsidenten des Bildungszentrums, tritt von der Leyen ans Mikrofon. Für die Einrichtung ist der Besuch der obersten Dienstherrin ein großer Tag, alles ist minutiös geplant, wer wann wo ist, und alle wirken ein wenig aufgeregt. Die CDU-Politikerin soll - so ist der Plan - nicht nur das Mentorenprogramm starten, sondern auch den Alltag der Einrichtung kennenlernen und deshalb den Unterricht in zwei Seminarräumen besuchen.

Doch zuerst die Rede zum Mentorenprojekt. Von der Leyen dankt erst einmal "den pfiffigen Menschen vor Ort", die das Programm erarbeitet haben. Sie nutzt ihre Rede, um noch mal grundsätzlich zu werden. "Das Mentorenprojekt ist ein wichtiges Instrument für gezielte Personalentwicklung", sagt sie. Und ums Personal müsse sich die Bundeswehr seit dem Ende der Wehrpflicht besonders bemühen. Schließlich konkurriere man mit einer starken Wirtschaft um immer weniger junge Leute. "Wir müssen uns breiter öffnen für die Gesellschaft, für Männer und Frauen."

"Unbewusste Vorurteile"

Wichtig ist der Ministerin vor allem, dass es mehr Frauen in Führungspositionen schaffen. Von der Leyen sieht hier immer noch viele "unbewusste Vorurteile" in der Truppe. So fielen zum Beispiel die subjektiven Bewertungen, wer für Führungsaufgaben geeignet sei, immer noch sehr zugunsten der Männer aus. Das sei auch kein Wunder: "Wenn ich nie eine Frau Generälin sehe, kann ich mir eben schlecht vorstellen, welche junge Frau in diese Position hineinwachsen wird."

Die Bundeswehr müsse umsteuern, sonst wirke sie "nach außen völlig verstaubt und wie eine Organisation, die nicht offen ist für Frauen. Und dann verlieren wir nicht nur die Frauen, sondern auch die fähigen Männer". Es sei nötig, den Spieß umzudrehen", wie es von der Leyen formuliert. "Nicht die Frauen sind schuld, dass sie nicht in Führungspositionen landen. Wir müssen uns als Organisation fragen, was wir falsch machen, wenn wir diese Potenziale nicht heben." Es gebe viele Möglichkeiten, Frauen zu unterstützen, Kinderbetreuung gehöre genauso dazu wie die Möglichkeit zur Arbeit von zu Hause - und eben das Mentorenprogramm, das Frauen auf dem Weg zur Führungsposition ermutigen und bestärken soll.

Natürlich passt es gut, dass diese Rede eine Frau hält, die es selbst an die Spitze der wohl größten Männerdomäne geschafft hat. Immer wieder lässt sie eigene Erlebnisse mit einfließen, wie das große Vertrauen ihres damaligen Chefs in der Kinderklinik, der ihre Stelle ein Jahr lang für sie freihielt, während sie in Babypause war.

Nach der Rede unterhält sich die Ministerin noch ausführlich mit den Mentoren und ihren Schützlingen. Das dauert deutlich länger als im Programmablauf vorgesehen. Der Besuch der Seminarräume muss ausfallen. Die Ministerin muss weiter zum nächsten Termin nach Wiesbaden.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 11.08.2016
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City Airport: Halbjahresbilanz der Luftrettung

634 mal Hilfe mit dem Rettungs-Hubschrauber

©  DRF

Der Rettungshubschrauber im Einsatz vom City Airport aus.

Ein Patient, dessen Lunge versagt. Ein Kind mit angeborenem Herzfehler, das nur Stunden nach der Geburt in einer Spezialklinik operiert werden muss. In Fällen wie diesen zählt jede Minute. 634 Mal starteten die Besatzungen der DRF-Luftrettung im ersten Halbjahr 2016 vom City-Airport in Neuostheim, um Menschen in Not mit dem Hubschrauber schnelle Hilfe zu bringen, so die Halbjahresbilanz der DRF (früher: Deutsche Rettungsflugwacht e.V.).

"Oft muss es bei Transporten zwischen Kliniken schnell gehen, da die Patienten in einem kritischen Zustand sind", erläutert Andreas Kempf, Pilot an Bord von "Christoph 53", die Vorteile der Luftrettung. "Wenn beispielsweise ein Patient in eine Herzklinik gebracht werden muss, dann sind wir häufig das schnellste und schonendste Transportmittel." Der mit einem Piloten, einem Notarzt und einem Notfallsanitäter besetzte Hubschrauber der DRF-Luftrettung ist täglich von 7 Uhr morgens bis Sonnenuntergang einsatzbereit.

Auch als schneller Notarztzubringer wird "Christoph 53" bei Einsätzen in der Region angefordert. Dringende Transporte von Intensivpatienten zwischen Kliniken führen die Mannheimer Luftretter primär in Baden-Württemberg durch. Einsatzorte in einem Umkreis von 60 Kilometern kann der Hubschrauber in maximal 15 Minuten erreichen. In Baden-Württemberg fliegen neben "Christoph 53" sechs weitere Hubschrauber der DRF in Freiburg, Friedrichshafen, Karlsruhe, Leonberg, Stuttgart und Villingen-Schwenningen. Zusammen starteten sie zu 4273 Einsätzen, das sind über 22 Prozent aller Einsätze der DRF im ersten Halbjahr 2016. tan

© Mannheimer Morgen, Montag, 01.08.2016
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Fitness: Pfitzenmeier investiert zehn Millionen Euro

Am Flugplatz Neuostheim entsteht ein Schwimmbad

Von dem Mannheimer Morgen Redakteur Peter W. Ragge

© Firmenbild

So soll es aussehen: Modell des neuen "Premium Resort Plus", das für zehn Millionen Euro in Neuostheim entsteht.

Rund zehn Millionen Euro will die Unternehmensgruppe Pfitzenmeier am Neuostheimer Flugplatz investieren. Aus dem im Juli 2000 eröffneten Fitness-Studio, das bereits 2011 um eine Yoga-Lounge mit dem Titel "Aura" erweitert wurde, soll ein "Pfitzenmeier Premium Plus Resort" mit Schwimmbad entstehen. In dieser Woche will die Inhaberfamilie ihre Pläne offiziell vorstellen.

"Die Anlage ist nicht mehr auf dem aktuellen Stand, und es gibt eine große Nachfrage - darauf reagieren wir", erklärt Stephan Pfitzenmeier, der Marketingleiter des Familienunternehmens. Geplant sei nun "Fitness und Wellness in einer neuen Dimension", so Pfitzenmeier.

Die derzeitige Nutzfläche von 3000 Quadratmeter wird mehr als verdoppelt - auf 7000 Quadratmeter. Darin enthalten ist ein Schwimmbad, "AquaDome" genannt, mit 600 Quadratmetern Fläche zum Schwimmen und für Aqua Gymnastik, angelehnt an die ähnlich großen, modernen Anlagen in Bensheim und Schwetzingen.

Der Erweiterungsbau schließt östlich an den bisher bestehenden Baukörper an und erstreckt sich auf einer als Parkplatz genutzten Fläche bis zum alten Flugplatzgebäude. "Wir bauen aber teilweise auf Stelzen, Parkplätze wird es weiter geben", verspricht Pfitzenmeier. Baubeginn soll noch dieses Jahr, Fertigstellung 2017 sein.

Über 125 000 Mitglieder

Die 1978 von dem Kraftsportler Werner Pfitzenmeier in Schwetzingen gegründete Unternehmensgruppe hat 40 Standorte verschiedener Marken (Pfitzenmeier, Venice Beach, Fit Base). Sie zählt über 125 000 Mitglieder und gilt als Marktführer in der Region. Im nächsten Jahr sind auch größere Neueröffnungen in der Bahnstadt Heidelberg, in Karlsruhe sowie in Wiesloch geplant. Eine eigene Abteilung für betriebliche Gesundheitsförderung betreut zahlreiche Unternehmen der Region.

© Mannheimer Morgen, Montag, 01.08.2016
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Bildung: Mit Sylvia Jahntz führt erstmals eine Frau die Hochschule der Bundeswehrverwaltung

Eine „Dienerin zweier Herren“

Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge

© Prosswitz

Sie hat zwei Chefs: Sylvia Jahntz mit Präsident Thomas Bönders (l.) und Christian Nachtwey aus dem Bundesministerium der Verteidigung.

Sie hat nach einem Gespräch mit einem früheren Vorgesetzten mal mit dem Fuß wütend auf den Boden gestampft, "Ich hasse ihn" gesagt - und der Chef hörte es. Befördert wurde Sylvia Jahntz dennoch seither mehrfach. Nun darf sie "machen, was ich schon immer machen wollte", wie sie gestern sagte - da wurde sie in ihr Amt als Leiterin des Fachbereichs Bundeswehrverwaltung der Hochschule des Bundes eingeführt.

Dazu gab es gleich Blumen von Personalrat Peter Feucht - eine ungewöhnlich charmante Geste in der immer noch sehr von Männern dominierten Bundeswehr. Doch die Amtseinführung von Jahntz ist "eine besondere Premiere", wie Christian Nachtwey, der zuständige Unterabteilungsleiter im Bundesministerium der Verteidigung, hervorhob. Erstmals steht eine Frau an der Spitze der Neuostheimer Hochschule - direkt neben dem Bildungszentrum der Bundeswehr in der Seckenheimer Landstraße gelegen, aber von diesem unabhängig. Die 57-jährige Hildesheimerin war zuletzt Leiterin der Zentralabteilung im Bildungszentrum und vorher überwiegend in der Wehrverwaltung und Kreiswehrersatzämtern sowie kurze Zeit auch auf der Hardthöhe tätig.

Umstrukturierung geplant

Die Hochschule des Bundes

Die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung bildet seit 1979 in einem dreijährigen Studium Diplom-Verwaltungswirte aus, die dann im gehobenen Dienst arbeiten.

Sie hat zehn Fachbereiche wie Allgemeine Verwaltung, Auswärtiger Dienst, Finanzen/Zoll, Wetterdienst, Sozialversicherung, Bundespolizei.

In Mannheim sitzt der Fachbereich Bundeswehrverwaltung mit 35 Dozenten und 385 Studenten.

Die seit 2006 eigenständige Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Neuostheim gehörte früher auch zur Hochschule des Bundes. pwr

Nun wird sie als "Dienerin zweier Herren", wie der Präsident der Hochschule, Thomas Bönders sagte, den Spagat beherrschen müssen. Schließlich ist der von ihr geleitete Fachbereich einerseits Teil der Hochschule des Bundes mit Professoren, denen die Freiheit der Wissenschaft wichtig ist. Da sei ressortbezogenes "Partikulardenken nicht zielführend", so der Präsident. Andererseits untersteht die Neuostheimer Einrichtung als zentrales Lehrinstitut direkt dem Verteidigungsministerium, ist neben den Universitäten Hamburg und München eine der drei Hochschulen der Bundeswehr. Schließlich steht eine große Umstrukturierung an, soll der Diplom-Studiengang bis 2018 - wie an anderen Hochschulen auch - durch den Bachelor abgelöst und die Bundeswehr als Arbeitgeber noch attraktiver werden. Dabei gibt es jetzt schon auf einen Studienplatz in Neuostheim 44 Bewerber.

Sylvia Jahntz bringe, da waren sich Bönders und Nachtwey einig, für die neue Aufgabe das nötige Rüstzeug, genügend Erfahrung und das richtige Fingerspitzengefühl mit. Zugleich dankten Bönders und Nachtwey dem Strafrechtsprofessor Eckart Lang, der nach der Pensionierung des langjährigen Chefs Rudolf Junger im März die Hochschule kommissarisch geführt und nun die Gäste wieder wunderbar originell und humorvoll begrüßt hatte.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 27.07.2016
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Neuostheim: Chorspatzen von St. Pius überzeugen mit Musical

Wenn aus Fremden Freunde werden

© Lindner

Die 38 Chorspatzen von St. Pius unter der Leitung von Bernhard Lindner (hinten) sorgten bei der Aufführung des Kindermusicals "Rotasia" für Begeisterung beim Publikum.

Seit Jahresanfang proben die 38 Chorspatzen von St. Pius unter der Leitung von Bernhard Lindner mit Begeisterung für die Aufführung des Kindermusicals "Rotasia." "Rotasia" erzählt die Geschichte von Fremdheit und Freundschaft, Ängsten und Vorbehalten und den besten Rezepten, diese abzubauen.

Ein Inhalt also, der gerade in diesen unruhigen Zeiten topaktuell ist. Die jungen Darsteller, die zwischen fünf und zwölf Jahre alt sind, bringen die orientalische Geschichte nicht nur mit viel Eifer und Begeisterung auf die Bühne. Sie halten vielmehr ein musikalisches Plädoyer für die Neugierde auf das Andere und Fremde.

Im ausverkauften Pfarrsaal von St. Pius entführt der Chor das Publikum in eine rote Welt, in der alles in Ordnung ist. Alle Menschen sehen gleich aus und sind zufrieden, dass es auf der ganzen Welt nichts anderes gibt.

Prinz Shadi (überzeugend: Mia Kupper) jedoch liest aus einem geheimnisvollen Buch "Die Länder der Erde", das ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Darin ist von fremden Ländern und andersartigen Menschen die Rede. Nach einem Gespräch mit seinem Vater, dem König, (stimmsicher: Ada Bindert) bricht der Prinz mit seinen Gefährten auf, um nach anderen Menschen Ausschau zu halten. Als sie mit Fremden zusammentreffen, stehen sich beide Gruppen erst mal argwöhnisch gegenüber, was auch in dem Song "Ob die wohl gefährlich sind" zum Ausdruck kommt. Zu guter Letzt befolgt der Prinz den Ratschlag seines Vaters und merkt beim Aufeinander zugehen, dass die Unterschiede zwischen den Gruppen doch nicht so groß sind.

Mit dem Lied "Wenn aus Fremden Freunde werden, sieht die Welt gleich bunter aus", spiegelt sich am Ende des Kindermusicals die tiefere Bedeutung dieser Geschichte über Freundschaft wider. Lang anhaltender Applaus und eine Zugabe waren die Belohnung für die gelungene Aufführung. red

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.07.2016
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